263 Tage lagen zwischen dem bitteren Ende bei der Open in Royal Troon und dem ersten Abschlag in Augusta – 263 Tage, in denen Justin Rose viel Zeit hatte nachzudenken. Damals verpasste er die Claret Jug denkbar knapp, wurde auf der Schlussgeraden von Xander Schauffele überholt.
Nun steht er erneut im Rampenlicht: Mit einer brillanten 65er-Auftaktrunde (-7) übernimmt der 44-Jährige die Führung beim Masters 2025 – und beweist einmal mehr, dass er mit Augusta National auf Du und Du ist.
Drei Schläge Vorsprung auf Scottie Scheffler, Ludvig Åberg und Corey Conners, ein fehlerfreier Auftakt bis auf die letzte Bahn, wo er kurz ins Geäst geriet – es war ein Start, wie ihn sich selbst die grössten Optimisten kaum hätten vorstellen können. «Ich habe mir den Platz in kleine Etappen zerlegt», erklärt Rose. «Mini-Ziele, Mini-Fokus – so will ich auch Freitag, Samstag und Sonntag angehen.»
Was ihn antreibt, ist nicht nur sein Wissen über das Terrain, sondern die Wucht eines verpassten Moments. «In Troon hatte ich das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Ich hatte einen klaren Plan, habe gut gespielt – gut genug, um zu gewinnen», sagt Rose. «Dass es am Ende nicht gereicht hat, tat weh. Aber genau dieser Schmerz ist heute meine Motivation. Ich bereue nichts. Ich blicke mit Zuversicht zurück.»
Der Blick nach vorn ist ebenso klar. Rose weiss, dass sich Gelegenheiten in seiner Karriere nicht mehr beliebig oft bieten werden. «Natürlich, ich bin 44. Die Chancen werden seltener. Aber das ist kein Druck – das ist eine Chance. Ich möchte zeigen, dass man auch in der Spätphase seiner Laufbahn noch Statements setzen kann.»
Dass er in Augusta immer wieder vorne mitspielt, ist kein Zufall. Bereits zum fünften Mal führt er nach der ersten Runde das Feld an – doch ein Green Jacket fehlt ihm bis heute. Viermal war er in dieser Position, viermal ging es am Ende nicht auf: T22, T5, T36 und dieser eine bittere zweite Platz 2017 gegen Sergio Garcia im Playoff.
Ob das nun eine Bürde oder ein Kompliment sei, wurde er gefragt. Rose antwortet mit der Gelassenheit eines Routiniers: «Ich habe viele gute Runden hier gespielt. Natürlich gehört auch Glück dazu – Augusta kann hart sein. Aber man muss sich immer wieder in diese Position bringen. Ich scheue mich jedenfalls nicht davor.»
Justin Rose bleibt also dran. An seinem Spiel. An seinem Ziel. Und vielleicht, ganz vielleicht, ist dies der Moment, in dem aus ewiger Hoffnung endlich ein verdienter Triumph wird.
Photo by Richard Heathcote/Getty Images
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