Die Bogeys und Doppelbogeys an der diesjährigen U.S. Open wurden meist auf dieselben Faktoren zurückgeführt: das dichte Rough von Oakmont, die schnellen Grüns – und der Druck eines Major-Turniers. Niemand dachte dabei an ein schwaches Frühstück.
News ➝ Health  ·  2025-06-27 13:33:33  ·  TP

Finger weg vom Hotdog: richtige Ernährung für besseres Golf

Die Bogeys und Doppelbogeys an der diesjährigen U.S. Open wurden meist auf dieselben Faktoren zurückgeführt: das dichte Rough von Oakmont, die schnellen Grüns – und der Druck eines Major-Turniers. Niemand dachte dabei an ein schwaches Frühstück.

Es wäre übertrieben zu behaupten, dass das anspruchsvollste Golfturnier der Welt von der Ernährung der Spieler abhängt – doch diese spielt wohl eine grössere Rolle, als allgemein angenommen. Laut Amy Bragg, Direktorin für Leistungsernährung an der University of Alabama, zu deren Betreuung auch die Männer- und Frauenteams im Golf gehören, stammt rund 35 Prozent unserer verbrauchten Energie vom Gehirn. Das bedeutet: Je komplexer der Golfplatz, desto wichtiger ist die Qualität des «Treibstoffs».

Nach mehreren Berichten von Spielern über die mentalen und körperlichen Anforderungen der U.S. Open erklärte Bragg, wie Golfer auf allen Leistungsstufen smarter essen und trinken können – und wie sich Essgewohnheiten direkt auf das Spiel auswirken.

Wann sollte ein Golfer mit der gezielten Ernährung für ein Turnier wie die U.S. Open beginnen?

Golf ist eine sehr spezielle Sportart, da Turniere über mehrere Tage gehen und meist mit Reisen verbunden sind. Viele Athleten konzentrieren sich zu stark auf die Ernährung am Wettkampftag. Dabei ist die tägliche Ernährung entscheidender für das allgemeine Wohlbefinden. Dennoch zählt auch der Turniertag. Die meisten Golfer, mit denen Bragg arbeitet, haben einen festen Plan für 18-Loch-Runden: Sie essen alle drei bis vier Löcher oder beim Wechsel auf die Backnine. Bei heissen oder feuchten Bedingungen sollte die Flüssigkeitszufuhr bereits vor der Anreise beginnen.

Was ist das erste, was bei den Essgewohnheiten angepasst werden sollte?

Viele Spieler vernachlässigen die Regeneration. Besonders nach Training oder Runden wird zu wenig Protein konsumiert – dabei ist genau das innerhalb von 30 Minuten entscheidend für die Muskelregeneration. Bragg vergleicht dies mit einem Stein, der Wellen auf einem See auslöst: Das Ziel ist, den See schnell wieder zu beruhigen – Protein und Kohlenhydrate helfen dabei.

Was ist das ideale Verhältnis von Kohlenhydraten zu Protein?

Im Allgemeinen empfiehlt Bragg ein Verhältnis von zwei Teilen Kohlenhydraten zu einem Teil Protein. Wer Gewicht reduzieren und Leistung erhalten will, kann auch ein 1:1-Verhältnis nutzen. Entscheidend sei, dass in einem 24-Stunden-Zyklus genug Protein aufgenommen wird.

Wie viel Protein wird empfohlen?

Für aktive Sportler etwa 150 Gramm pro Tag. Die Anforderungen im Golf sind gestiegen – heute trainieren viele Spieler gezielt Kraft und Ausdauer. Proteinmenge und -timing sind entsprechend relevanter geworden.

Was entgegnen Sie jenen, die meinen, Golf brauche keine sportliche Ernährung?

Golf beansprucht den Geist enorm – und dieser benötigt Energie. Viele Golfer essen zu wenig Kohlenhydrate und trinken zu wenig. Eine gute Hydratation muss aktiv aufgebaut werden.

Wie zeigt sich eine Unterversorgung im Spiel?

Unterschiedlich – oft nehmen Konzentration und Leistung ab einem bestimmten Loch merklich ab. Bragg beobachtet genau, wann Spieler mental «einbrechen», etwa am 12. oder 17. Loch. Diese Punkte helfen bei der individuellen Ernährungsplanung.

Welche Snacks eignen sich besonders für den Platz?

Früchte, Studentenfutter, Erdnussbutter-Sandwiches (häufig aufgeteilt über die Runde), sowie Proteinriegel – sofern geeignet. Cliff Bars und Kind Bars sind Beispiele. Weniger geeignet sind Jerky oder Brokkoli – sie liefern kaum Energie.

Wie sollte die Ernährung in den Tagen vor einem Turnier aussehen?

Bragg empfiehlt «Farbe auf dem Teller»: viel Obst und Gemüse, die empfohlene Menge an Protein und frühzeitig begonnene Flüssigkeitszufuhr, inklusive Elektrolyte mit zusätzlichem Natrium. Gerade auf Reisen ist es wichtig, den Flüssigkeitsverlust durch Flugreisen auszugleichen.

Wenn Sie eine ungesunde Angewohnheit streichen könnten – welche wäre das?

Fast Food. Besonders wegen des Reiseaufwands vieler Golfer braucht es klare Strategien – frittiertes Essen mit mehrfach verwendeten Ölen ist stark entzündungsfördernd und keine gute Idee.

Quelle: Diese Analyse erschien zuerst in «Low Net», einem exklusiven Golf Digest+ Newsletter.