Im internationalen Profigolf sorgt derzeit ein Thema für Gesprächsstoff: das zunehmend angespannte Verhältnis zwischen Jon Rahm und der DP World Tour.
News ➝ DP World Tour  ·  2026-03-06 13:18:55  · golf.page-intro.author Tom Page

Jon Rahm – die Hintergründe eines komplizierten Streits

Im internationalen Profigolf sorgt derzeit ein Thema für Gesprächsstoff: das zunehmend angespannte Verhältnis zwischen Jon Rahm und der DP World Tour.

Der spanische Major-Sieger hat in den vergangenen Tagen öffentlich Kritik geäussert – doch die Geschichte dahinter reicht mehrere Jahre zurück und ist eng mit dem Machtkampf zwischen den grossen Golf-Touren verbunden.

Der Ursprung des Konflikts führt ins Jahr 2023. Damals entschied ein unabhängiges britisches Schiedsgericht, dass die DP World Tour ihre Mitglieder suspendieren und mit Geldstrafen belegen darf, wenn diese an Turnieren der rivalisierenden LIV Golf League teilnehmen. Betroffen war zunächst eine erste Gruppe europäischer Spieler, die 2022 zum neuen LIV-Projekt gewechselt waren. Wer damals beim ersten LIV-Event im Centurion Club ausserhalb Londons abschlug, wurde automatisch für drei Turniere gesperrt und mit einer Geldstrafe von 100’000 Pfund belegt.

Diese Strafen konnten sich im Laufe der Zeit weiter erhöhen. Schätzungen zufolge summierten sich die Beträge bei manchen Spielern auf rund eine Million Pfund pro Saison, abhängig von Turnieren und Zeitplan.

Für viele der betroffenen europäischen LIV-Spieler stand damit auch ihre Zukunft im Ryder Cup infrage. Zwar legten mehrere Profis zunächst Einspruch gegen die Sanktionen ein, doch das Schiedsgericht bestätigte grundsätzlich das Recht der Tour, solche Strafen zu verhängen.

LIV Golf übernahm in den folgenden Jahren teilweise die Geldstrafen seiner Spieler. Einige europäische Profis entschieden sich dennoch, ihre Mitgliedschaft auf der DP World Tour ganz aufzugeben. Andere hielten daran fest, um weiterhin für den Ryder Cup spielberechtigt zu bleiben.

In dieses bereits komplexe Umfeld platzte Ende 2023 eine der grössten Überraschungen im modernen Profigolf: Jon Rahm verkündete seinen Wechsel zu LIV Golf. Kurz darauf folgte auch der Engländer Tyrrell Hatton.

Für beide galt die gleiche Ausgangslage wie für die früheren europäischen LIV-Spieler. Wer Mitglied der DP World Tour bleiben und weiterhin für den Ryder Cup infrage kommen wollte, musste mindestens vier Turniere pro Saison auf der Tour spielen und zudem ausstehende Geldstrafen begleichen oder juristisch anfechten.

Rahm entschied sich im September 2024 für den zweiten Weg und legte offiziell Einspruch gegen die Strafen ein. Ein solches Verfahren hatte zuvor bereits bei anderen LIV-Spielern rund neun Monate gedauert.

Doch in Rahms Fall kam es nie zu einer Entscheidung. Bis heute wurde die Berufung nicht behandelt – ein Umstand, der innerhalb der Golfwelt für Diskussionen sorgt.

Der Hintergrund liegt im Ryder Cup 2025 in Bethpage Black. Viele Verantwortliche im europäischen Lager wollten Rahm unbedingt im Team sehen. Der damalige Kapitän Luke Donald begrüsste öffentlich, dass Rahm gegen die Strafen Einspruch eingelegt hatte. Auch Rory McIlroy machte damals keinen Hehl daraus, dass er Rahm unbedingt im europäischen Team sehen wollte.

Sportlich zahlte sich diese Strategie aus. Europa gewann den Ryder Cup in Bethpage mit zwei Punkten Vorsprung, wobei Rahm und Hatton gemeinsam 6½ der insgesamt 15 Punkte beisteuerten.

Nach dem Ryder Cup musste jedoch eine langfristige Lösung gefunden werden. Gleichzeitig kündigte LIV Golf an, ab 2026 keine Geldstrafen seiner Spieler mehr zu übernehmen.

Daraufhin entwickelte die DP World Tour ein neues Angebot für die betroffenen LIV-Profis. Voraussetzung für eine Einigung waren drei Punkte: alle offenen Geldstrafen mussten beglichen werden, die Spieler mussten sich verpflichten, 2026 sechs Turniere der DP World Tour zu spielen – zwei davon nach Wahl der Tour – und laufende Einsprüche zurückziehen.

Acht Spieler akzeptierten diese Bedingungen: Tyrrell Hatton, Laurie Canter, Thomas Detry, Tom McKibbin, Adrian Meronk, Victor Perez, David Puig und Elvis Smylie.

Nur einer sagte bisher nicht zu – Jon Rahm.

Der Spanier kritisierte insbesondere die Verpflichtung, sechs Turniere statt der bisherigen vier zu spielen. Zudem zeigte er sich unzufrieden darüber, dass er ursprünglich zum Einspruch gegen die Strafen ermutigt worden sei, nun aber weiterhin mit Forderungen konfrontiert werde.

Aus seiner Sicht versuche die Tour, gleichzeitig von beiden Seiten zu profitieren. Die DP World Tour wiederum argumentiert, sie habe den Spielern bereits weit entgegengekommen.

Auch Rory McIlroy meldete sich dazu zu Wort. Er bezeichnete das Angebot der Tour als «sehr grosszügig» und verwies darauf, dass acht von neun Spielern den Vorschlag angenommen hätten.

Der Konflikt zeigt einmal mehr, wie kompliziert das Verhältnis zwischen den grossen Golf-Touren geworden ist. LIV Golf stellt weiterhin eine direkte Konkurrenz für die etablierten Strukturen im Profigolf dar. Gleichzeitig versuchen Spieler, Turniere auf verschiedenen Touren zu kombinieren – ein Balanceakt, der immer wieder zu Konflikten führt.

Für Jon Rahm steht nun eine wichtige Entscheidung an. Ob er die Bedingungen der DP World Tour akzeptiert oder weiterhin auf seiner Position beharrt, wird auch darüber entscheiden, welche Rolle er künftig im europäischen Tour-System spielen kann.

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