Das Interview mit Rory McIlroy fand am 19. März 2026 im Rahmen einer internationalen Medienrunde von OMEGA statt. FORE war exklusiv für die Schweiz dabei.
News ➝ FORE – SCHWEIZER GOLF MAGAZIN  ·  2026-05-01 09:52:42  ·  Dino Canepa, Nina Treml

Rory McIlroy: «Ich habe meinen Drachen besiegt»

Er freue sich auf seine Titelverteidigung, sagte Rory McIlroy im Vorfeld des Masters 2026. Zudem gewährte der ­Nordire Einblicke in die Indoor-Liga TGL und verriet, wie sich der Karriere-Grand-Slam auf seine Motivation auswirkt.

Rory McIlroy, nach zwei Saisons als Mitgestalter und aktiver Spieler: Was begeistert dich an TGL, das der traditionelle Golfsport nicht bieten kann?

Vor allem die Möglichkeit, ein anderes Publikum anzusprechen. Die Zuschauer-Demografie von TGL ist deutlich jünger als bei einer typischen PGA-Tour-Übertragung – im Durchschnitt etwa 20 bis 25 Jahre. Meine Tochter Poppy und auch die Kinder anderer Spieler sind total hin und weg von TGL. Sie lieben es, live dabei zu sein oder im Fernsehen zuzuschauen. Spielerisch finde ich es spannend zu sehen, wie viele der jüngeren Teilnehmer über sich hinauswachsen. Wenn man zum Beispiel einen Chris Gotterup oder Michael Throbjornsen betrachtet, habe ich den Eindruck, dass sie durch TGL viel Selbstvertrauen gewonnen haben, das sie auch in ihr PGA-Tour-Spiel mitnehmen.

Welche Erkenntnisse oder Erfahrungen aus TGL hast du persönlich in dein Outdoor-Spiel mitgenommen?

Die grösste Erkenntnis für mich ist die Wertschätzung der Zeit im Outdoor-Golf. Die Shot-Clock sorgt in der TGL zwar für viel Spass, gleichzeitig bin ich dankbar dafür, dass ich mir bei klassischen Turnieren viel mehr Zeit nehmen kann, um über Strategie, Schlägerwahl und andere Entscheidungen nachzudenken. 

Liessen sich die Shot-Clock und andere TGL-Elemente auch auf die PGA Tour und andere Touren übertragen?

Die PGA Tour besitzt 20 Prozent der TGL, und ich denke, sie nutzen die Liga teilweise, um zu sehen, welche Elemente sich auch für das Outdoor-Golf eignen könnten. Als Testlabor bietet TGL genau die richtige Plattform, um zu experimentieren und herauszufinden, was funktioniert und was nicht. Gerade bei der Shot-Clock halte ich es allerdings für schwierig, sie in einem traditionellen Wettbewerb einzuführen. Ausserdem müsste man prüfen, ob die Spieler da draussen das überhaupt wollen.

Glaubst du, dass sich die beiden Formate – ­traditionelles Turniergolf und TGL – in Zukunft tatsächlich annähern?

Schön an TGL ist, dass eine Runde weniger als die Hälfte als eine normale 18-Loch-Runde dauert: knapp unter zwei Stunden im Vergleich zu rund fünf Stunden bei einer traditionellen Runde. Dieser Zeitfaktor macht es den Zuschauern deutlich leichter, dem Spiel zu folgen. Ausserdem spielen wir indoor – keine Wetterprobleme oder Verzögerungen –, was die Planung für Sender erleichtert und das Zuschauen für Fans komfortabler macht. Aber TGL soll traditionelles Golf nicht ersetzen, sondern ergänzen ohne die Spieler zu belasten. Es findet bewusst zu Beginn der Saison statt, sodass die Majors weiterhin Priorität haben. 

Wie sieht deine langfristige Vision für TGL aus, insbesondere im Hinblick auf Expansion?

Wir haben derzeit eine speziell gebaute Anlage für TGL. Um in weitere Märkte zu expandieren, bräuchte es passende Einrichtungen, was Zeit und Technologie erfordert. Wenn die nächste Saison der Frauen-TGL gut läuft, könnten wir über eine zusätzliche Anlage an der Westküste der USA nachdenken, um den Reiseaufwand für Spieler zu reduzieren. Derzeit ist TGL noch ein US-zentriertes Produkt. Aber ich könnte mir vorstellen, dass man die Infrastruktur in Zukunft transportabel macht, um sie in mehr Märkte zu bringen.

Omega ist seit der zweiten Saison offizieller Zeitnehmer der TGL, und du bist zudem Omega-Markenbotschafter. Macht das die Partnerschaft persönlicher oder bedeutungsvoller?

Ja, absolut. Omega ist ein wunderbarer Unterstützer des Golfsports und hat auch mich persönlich in den vergangenen vierzehn Jahren intensiv begleitet. Es fühlt sich fast wie eine Familie an – und genau das macht die Partnerschaft so persönlich. Gleichzeitig engagiert sich Omega im Sport insgesamt, etwa bei den Olympischen Spielen, und wir sind sehr froh, sie auch bei TGL an Bord zu haben.

Was ist eigentlich deine erste Erinnerung an Uhren oder an Uhrmacherei?

Oh, meine erste Erinnerung? Ich glaube, ich habe mich schon immer für Uhren interessiert. Mit 12 oder 13 Jahren habe ich meine erste «richtige» Uhr bekommen – nichts auf Omega-Niveau, aber sie hat mir trotzdem viel bedeutet. Als Mann hat man ja nicht viele Möglichkeiten, Persönlichkeit über Accessoires auszudrücken. Frauen haben da mehr Auswahl – Halsketten, Ohrringe, Armbänder. Für mich sind Uhren ein Weg, Stil zu zeigen. Über die Jahre habe ich angefangen, Uhren zu sammeln, und meine Partnerschaft mit Omega sehr genossen. Vor allem den Zugang zu exklusiveren Modellen.

Als du letztes Jahr das Masters gewonnen und damit deinen Karriere-Grand-Slam vollendet hast, trugst du weder eine Golfuhr noch eine spezielle Rory-Edition. Warum fiel deine Wahl ausgerechnet auf die Omega Speedmaster «Silver Snoopy Award»?

Gute Frage. Ich wollte schon länger eine «Snoopy» und habe diese Uhr etwa zwei Monate vorher bekommen. Wann immer ich eine neue Uhr habe, trage ich sie meistens eine Zeit lang. Grundsätzlich habe ich die Speedmaster schon immer geliebt – das Profil, das Textilarmband, das Blau. Ich trage oft blau, und sie ist einfach eine coole, sehr einzigartige Uhr. An diesem Tag hatte ich ebenfalls blau an und fand, dass sie gut zum Outfit passt. Vielleicht nicht perfekt zur grünen Jacke, die ich später bekam – aber ich wollte nicht zu überheblich wirken, als hätte ich schon im Vorfeld damit gerechnet.


 

Das Interview mit Rory McIlroy fand am 19. März 2026 im Rahmen einer internationalen Medienrunde von OMEGA statt. FORE war exklusiv für die Schweiz dabei.
Schweizer Golf Magazin

FORE#2

Das Interview mit Rory McIlroy fand am 19. März 2026 im Rahmen einer internationalen Medienrunde von OMEGA statt. FORE war exklusiv für die Schweiz dabei.
Das Interview mit Rory McIlroy fand am 19. März 2026 im Rahmen einer internationalen Medienrunde von OMEGA statt. FORE war exklusiv für die Schweiz dabei.

Wenn du an deinen Masters-Sieg 2025 zurückdenkst: Welches Bild kommt dir als Erstes in den Sinn, und wie gross war der Druck?

Es war wahrscheinlich der schwierigste Tag, den ich je auf einem Golfplatz erlebt habe. Wenn man sich etwas so lange wünscht und es immer wieder versucht, wird es im Kopf grösser, als es eigentlich ist. Ich bin unglaublich glücklich, dass es am Ende geklappt hat. Aber ich würde diesen Tag nicht noch einmal durchleben wollen; ich bin froh, ihn hinter mir zu haben. Ich habe sozusagen meinen Drachen besiegt und kann jetzt weitermachen. Hoffentlich macht mir das einen zweiten Masters-Sieg ein wenig einfacher.

Jetzt, wo du fast alles gewonnen hast: Fällt es dir schwer, die Motivation aufrechtzuerhalten?

Ich würde sagen, das ist von Woche zu Woche unterschiedlich. Manchmal fällt es mir tatsächlich schwer, mich für das normale Tourleben zu motivieren. Ich bin jetzt seit fast 20 Jahren Profi, und dieses Woche-für-Woche-Spielen kann herausfordernd sein. Aber bei den grossen Turnieren, bei denen, die mir wirklich wichtig sind, habe ich nicht das Gefühl, dass mir die Motivation fehlt.

Welche Botschaft möchtest du jungen Golfern mitgeben?

Nachdem ich das Masters gewonnen hatte, habe ich meiner Tochter gesagt: Gib niemals auf, auch wenn es schwierig wird. Das ist eine Botschaft, die ich an alle Kinder weitergeben möchte. Es ist wichtig, an sich selbst zu glauben, Ziele zu haben und sich von niemandem sagen zu lassen, dass man sie nicht erreichen kann. Ich hatte diesen Traum schon mit acht Jahren – alle Majors zu gewinnen. Es hat lange gedauert, aber ich habe nie aufgehört, daran zu glauben. Ich bin nach Rückschlägen zurückgekommen, habe daraus gelernt und bin drangeblieben. Am Ende hat es funktioniert – auch wenn es länger gedauert hat, als ich dachte. Das ist die Botschaft: dranbleiben, weiter glauben und niemals aufgeben.

Mit welchem Gefühl gehst du ins Masters 2026?

Nachdem ich vor ein paar Wochen einen Rückschlag wegen einer kleinen Rückenverletzung hatte, ist meine Verfassung jetzt ziemlich gut. Ich freue mich sehr darauf, meinen Titel zu verteidigen und werde sicherstellen, dass ich dort zu 100 Prozent bereit bin und alles im Griff habe.

Wovon träumst du für 2026?

Wir stehen am Anfang der Major-Saison und spielen auf einigen unglaublichen Plätzen: Auf Augusta National folgen Aronimink bei Philadelphia für die PGA Championship, Shinnecock Hills für die US Open und Royal Birkdale für die Open Championship. Mich reizt es sehr, auf solchen ­grossen, traditionsreichen Kursen zu gewinnen – Orte, an denen Geschichte geschrieben wird und an deren Sieger man sich erinnert. Gleichzeitig versuche ich, meinen fünften Race-to-Dubai-Titel in Folge zu holen. Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Mein Ziel ist es, körperlich und mental optimal auf diese grossen Events vorbereitet zu sein. Der Ehrgeiz ist nach wie vor hoch, vor allem mit Blick auf die wichtigsten Turniere. Darauf liegt mein Fokus in diesem Jahr, und ehrlich gesagt für den Rest meiner Karriere.

Gibt es Pläne für eine neue Omega-Sonderedition in Zukunft?

Dazu gibt es aktuell nichts Konkretes. Aber wir haben ­bereits an einigen Uhren zusammengearbeitet – der Speedmaster ’57 «Rory McIlroy» Special Edition, der Seamaster Aqua Terra «Ultra Light» und der Seamaster Aqua Terra «Golf». Das waren sehr spannende Projekte für mich, und wenn sich in Zukunft wieder eine Gelegenheit ergibt, würde ich das sicher begrüssen.

Photos by Getty Images and Omega

Ich bin jetzt seit fast 20 Jahren Profi, und dieses Woche-für-Woche-­Spielen kann herausfordernd sein. Aber bei den grossen ­Turnieren habe ich nicht das Gefühl, dass mir die ­Motivation fehlt.