Scottie Scheffler of the PGA Tour before The Showdown McIlroy and Scheffler v DeChambeau and Koepka at Shadow Creek Golf Course House of Swiss Golf Swiss golf complemedia Die langweiligen Routinen, die Tour-Profis besser machen
News ➝ Golf IQ  ·  2025-09-07 10:56:17  ·  TP

Die langweiligen Routinen, die Tour-Profis besser machen

Golf auf höchstem Niveau wirkt nach aussen glamourös: Weltreisen zu den schönsten Plätzen, grosse Preisgelder, Ruhm und Titel. Doch der Weg dorthin ist geprägt von monotoner Arbeit. Tourspieler verbringen unzählige Stunden allein auf der Driving Range, stehen früh auf und wiederholen immer wieder dieselben simplen Übungen – nicht weil sie spannend sind, sondern weil sie den Unterschied machen.

Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, welche scheinbar langweiligen Routinen die Profis täglich anwenden – und die auch Amateuren helfen könnten, ihr Spiel zu verbessern.

Eine Kreidelinie beim Putten

Sam Burns musste nicht lange überlegen: «Eine Kreidelinie auf dem Grün ist ziemlich langweilig, aber definitiv hilfreich.» Viele Profis nutzen diese Methode in Variationen, um sicherzugehen, dass sie den Ball auf der beabsichtigten Linie starten und er sauber End-over-End rollt. Burns selbst macht es täglich – und führt die Tour in dieser Saison in SG/Putting an.

Die Ausrichtung präzisieren

Für viele Hobbygolfer fast nebensächlich, für Profis ein Standard: die tägliche Kontrolle der Ausrichtung. Wer nicht dorthin zielt, wo er denkt, korrigiert mitunter unbewusst den Schwung – mit fatalen Folgen. Deshalb platzieren Spieler Alignment-Sticks parallel zu den Füssen und entlang der Ziellinie. «Es ist eintönig, aber die Wiederholung bringt die Konstanz», erklärt J.T. Poston. «Scottie ist das perfekte Beispiel dafür.»

Griff-Check bei jedem Schlag

Scottie Scheffler achtet besonders auf seinen Griff. Wie viele Spieler neigt er dazu, die Handposition leicht zu verändern – was sich sofort auf den Rückschwung auswirkt. Deshalb führt er ein Extra-Eisen 7 mit Trainingsgriff im Bag und prüft penibel seine Hände vor jedem Schlag. «Es geht um Checkpoints. Ich will nicht bei jedem Turnierstart etwas Neues finden, sondern das Bekannte konstant wiederholen», sagt Scheffler.

Einen Rückzugsort haben

Brian Harman hebt einen Punkt hervor, der überrascht: Selbstfürsorge. «Einen friedlichen Ort zum Ausruhen zu haben, ist sehr wichtig», sagt er. Bei all den Reisen und Verpflichtungen sei es entscheidend, Momente für sich zu finden, um die Gedanken zu ordnen.

Den Körper aktivieren

Golf ist Sport – und verlangt Vorbereitung. Trainer Sean Foley betont, dass Stretching und Aktivierungsübungen im Fitnessraum unverzichtbar sind: «Jeden Tag, 50 Wochen im Jahr. Das ist langweilig, aber notwendig.» Leidenschaft für den Sport bringe viele auf Tour, doch Grösse erreichten jene, die auch die unliebsamen Teile ernst nehmen.

Am Rhythmus arbeiten

Corey Conners, bekannt für einen besonders gleichmässigen Schwung, trainierte mit seinem Vater über Jahre an Tempo und Rhythmus. «Wenn du einen guten Rhythmus hast, brauchst du keine perfekte Technik», erklärt er. Stumpfes Üben von Pausen im Übergang zwischen Rück- und Durchschwung sei wenig spektakulär – aber effektiv.

Haltung kontrollieren

Wie oft überprüfen Amateure ihre Körperhaltung im Swing? Profis tun es täglich, oft mehrfach. Ein Spiegel ist dabei das wichtigste Hilfsmittel. «Wenn dein Körper beim Setup nicht im Gleichgewicht ist, sucht er während des Swings Balance – das führt zu Fehlern», sagt Coach Randy Parsons. Daher gehört die Haltungskontrolle zu den elementaren Routinen.

Wedges trainieren

Mehr Länge vom Tee bringt nur dann Vorteile, wenn auch das kurze Spiel sitzt. Profis investieren deshalb viel Zeit in gezielte Wedge-Sessions. Dustin Johnson etwa verbesserte sein Spiel, indem er Schläge unter 100 Metern in zufälligen Intervallen trainierte. J.T. Poston arbeitet in Fünf-Meter-Schritten, Luke Donald in Dreier-Schritten. Donald erklärt: «Nicht einfach immer auf denselben Punkt schlagen, sondern Variabilität schaffen, das Ganze wie ein Spiel gestalten und Punkte zählen. So weiss man, woran man arbeiten muss.»

Kurze Putts endlos wiederholen

Ein kleiner Unterschied macht hier grosse Wirkung: 92 statt 87 Prozent Trefferquote bei Putts unter 1,5 Metern – das kann über Top 10 oder Position 100 im Ranking entscheiden. «Drei-Fuss-Putts immer wieder spielen ist langweilig, aber es ist der einzige Weg, um sicherer zu werden», sagt Top-Coach Randy Schriber.

Statistiken führen

Viele Profis wollen schwarz auf weiss sehen, was verbessert werden muss. Matt Fitzpatrick notiert jeden Schlag von Hand und wertet die Daten später aus. Andere analysieren wöchentlich mit ihren Teams. «Datenarbeit ist langweilig, aber sie zahlt die Rechnungen», fasst Sean Foley zusammen.

Photo by Kevin C. Cox/Getty Images for The Showdown