Die 100. Austragung des traditionsreichen Los-Angeles-Events auf dem ehrwürdigen Riviera Country Club hatte ihr Drehbuch eigentlich schon geschrieben. Die Fans drängten sich an den Abschlägen, riefen «Ro-ry! Ro-ry!» und streckten ihre Hände unter den Seilen hindurch, in der Hoffnung auf einen kurzen Moment mit Rory McIlroy. Vor dem spanisch inspirierten Clubhaus hallte ein anderer Sprechchor über die Anlage: «We want Scottie!» – gemeint war Scottie Scheffler.
News ➝ PGA Tour  ·  2026-02-23 09:07:42  ·  Tom Page

Bridgeman behält die Nerven – Wahlschweizer Adam Scott stark in Riviera

Genesis Invitational – Die 100. Austragung des traditionsreichen Los-Angeles-Events auf dem ehrwürdigen Riviera Country Club hatte ihr Drehbuch eigentlich schon geschrieben.

Die Fans drängten sich an den Abschlägen, riefen «Ro-ry! Ro-ry!» und streckten ihre Hände unter den Seilen hindurch, in der Hoffnung auf einen kurzen Moment mit Rory McIlroy. Vor dem spanisch inspirierten Clubhaus hallte ein anderer Sprechchor über die Anlage: «We want Scottie!» – gemeint war Scottie Scheffler.

Was sie nicht auf dem Zettel hatten: einen 26-jährigen Namen namens Jacob Bridgeman.

Und doch war es Bridgeman, der am Ende im natürlichen Amphitheater rund um Grün 18 tief durchatmete. McIlroy fuhr sich nach seinem letzten Putt durch das grau melierte Haar, dachte an das, was hätte sein können. Bridgeman dagegen stemmte mit einer 72 (+1) und einem Gesamtscore von -18 seinen ersten PGA-Tour-Titel in die Höhe – ausgerechnet bei seinem Debüt in Riviera.

Dabei hatte sich der Final bedrohlich zugespitzt. McIlroys lochte am 72. Loch aus rund neun Metern zum Birdie und zog mit -17 gleich. Auch Kurt Kitayama hatte mit einer 64 Druck aufgebaut. Bridgeman jedoch brauchte am Schluss lediglich ein Zweiputt-Par aus gut fünf Metern. Eine Routineaufgabe – normalerweise.

«Ich konnte meine Hände nicht spüren», sagte er später.

Der Zweijahres-Profi liess sich den ersten Putt drei Fuss zu kurz, rettete sich aber mit einem entschlossenen Schlag ins Par. Es war der Moment, in dem Muskelgedächtnis über Nervosität siegte. Und der Underdog zur Hauptfigur wurde.

Dabei hatte Bridgeman auf den ersten 57 Löchern Golf von beinahe historischer Qualität gespielt. Auf eine 66 liess er zwei 64er-Runden folgen und lag auf Rekordkurs – in Reichweite von Lanny Wadkins’ Turnierbestmarke von -20 (264 Schläge) aus dem Jahr 1985. Er führte das Feld in Strokes Gained: Approach und Putting an – eine Kombination, die auf Riviera Gold wert ist.

Erst am Sonntag machten sich die Tücken der Poa-annua-Grüns bemerkbar. Nach zwei frühen Birdies blieb er auf den letzten 15 Löchern ohne weiteren Schlaggewinn. Ein Bogey auf der 16 – sein einziges auf den Back Nine – liess die Führung schmelzen. Auf der 17 rettete er aus dem Bunker das Par, während McIlroy zum Birdie ansetzte.

Bridgeman bekannte offen, dass er die Leaderboards studierte. «Wo immer sie standen, ich habe sie gesehen.» Er wollte wissen, ob er reagieren musste. Doch am Ende ging es weniger um Taktik als um Gefühl – oder eben dessen Verlust.

«Mit vollen Schlägen war ich im Roboter-Modus», erklärte er. «Aber sobald ich auf mein Gefühl angewiesen war, hatte ich am Ende kaum noch eines.» Auf den Greens der 17 und 18 habe er nicht gewusst, wie hart er schlagen solle. «Ich bin einfach froh, dass es keine 10-Meter-Putts waren.»

Der letzte 30-Zentimeter-Putt bergauf fiel mitten ins Loch.

Hinter dem Spitzentrio setzte auch Adam Scott, der seit Jahren in der Schweiz lebt, ein Ausrufezeichen. Der Masters-Sieger von 2013 spielte auf den Back Nine eine 31, unterschrieb am Sonntag eine 63 und beendete das Jubiläumsturnier mit -16 auf dem geteilten vierten Rang – ein starker Auftritt des Wahl-Schweizers auf einem der anspruchsvollsten Plätze der PGA Tour.

Oben im Scoring-Bereich wartete bereits Tiger Woods – im roten Sonntagsshirt, mit breitem Lächeln. Ausgerechnet Woods, dessen Turnier es ist, überreichte dem Mann die Trophäe, der als Kind Tigers Triumph erlebte, als er «gerade laufen und sprechen lernte», wie Bridgeman sagte.

Woods erinnerte ihn schmunzelnd daran, dass ihm selbst ein Sieg in Riviera bis heute fehlt.

«Ich habe also wenigstens einen», sagte Bridgeman lachend. «Er hat alle anderen – aber das hier gehört mir.»

Photo by Mike Mulholland/Getty Images