Deutsche Golf-Sensation in Aronimink
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Kaymer und Jäger stürmen an die PGA-Championship-Spitze.
Schwarz-rot-goldener Traumauftakt in Aronimink – Martin Kaymer und Stephan Jäger führen das Major mit an.
Es gibt Auftaktrunden bei Major-Turnieren, die schon nach wenigen Stunden eine Richtung vorgeben. Und es gibt Tage wie diesen Donnerstag im Aronimink Golf Club vor den Toren Philadelphias. Kein frühes Solo, kein Einzelkämpfer, der dem Turnier seinen Stempel aufdrückt – stattdessen ein gedrängtes Leaderboard, viele kleine Geschichten. Und aus deutscher Sicht: ein historisch starker Beginn der 108. PGA Championship.
Sieben Spieler teilen sich nach Runde eins die Führung bei drei unter Par. Darunter Weltranglistenerster und Titelverteidiger Scottie Scheffler – aber eben auch zwei Deutsche: Martin Kaymer und Stephan Jäger. Komplettiert wird die Spitzengruppe von Aldrich Potgieter, Min Woo Lee, Ryo Hisatsune und Alex Smalley. Ein dritter Deutscher, Matti Schmid, lauert in Schlagdistanz auf den vorderen Plätzen.
Besonders bemerkenswert ist die Rückkehr von Martin Kaymer auf das ganz grosse Parkett. Der 41-jährige Mettmänner, derzeit Captain im Cleeks GC und im Legion XIII-Team auf der saudisch finanzierten LIV-Tour, bewies in Pennsylvania, dass er im Major-Format weiter konkurrenzfähig ist. Seine 67er-Runde war seine beste bei einem Major seit der PGA Championship 2020 – und erstmals seit seinem Wire-to-Wire-Sieg an der US Open 2014 hält er nach Tag eins zumindest eine geteilte Führung bei einem Major.
Sein Startrecht verdankt Kaymer seinem PGA-Championship-Triumph 2010 im Stechen gegen Bubba Watson am Whistling Straits – eine lebenslange Eintrittskarte. Nach der Runde gab sich der Rheinländer locker: Er sei mittlerweile schmerzfrei und geniesse es einfach, wieder auf dem Platz zu stehen. «Ich habe in den letzten zwei, drei Events auf LIV gut gespielt», so Kaymer. Eine Anekdote vom Champions Dinner sorgte zusätzlich für Motivation: Ein anderer Anwesender habe ihn ernsthaft gefragt, ob er überhaupt noch spiele. Kaymers kernige Antwort: Er sei wohl kaum aus Europa angereist, um nur ein Steak essen zu gehen.
Für Stephan Jäger ist der Auftritt die nächste Bestätigung im Major-Format. Der in den USA lebende Münchner, aktuell Weltrangliste 44 und seit seinem Houston-Open-Sieg 2024 fester Bestandteil der PGA-Tour-Elite, qualifizierte sich über sein Ranking für Aronimink. Keine laute Runde, keine grosse Show – aber sehr viel Ordnung im Spiel. Für einen Major-Donnerstag ist das oft die beste Währung. Auch Matti Schmid, ebenfalls über die Weltrangliste ins Feld gerutscht, fand stark ins Turnier und reihte sich knapp hinter den Spitzenreitern ein. Die deutsche Bilanz nach Tag eins fällt damit so stark aus wie seit Jahren nicht mehr bei einem Major.
Der Aronimink Golf Club, ein Donald-Ross-Layout, das nach der Überarbeitung durch Gil Hanse die Weltspitze ordentlich in den Senkel stellte, richtet erst zum zweiten Mal in seiner Geschichte die PGA Championship aus – nach 1962. Insgesamt schafften es am Donnerstag nur 31 Spieler unter Par. Eine 67 reichte für die geteilte Führung – ein Hinweis darauf, wie selektiv der Platz ist.
Wenig erfreulich verlief der Auftakt für die grossen Favoriten. Masters-Sieger Rory McIlroy legte mit einer 74er-Runde einen Fehlstart hin und beschrieb seine Runde selbst mit einem unzitierbaren Wort. Bryson DeChambeau erwischte es mit einer 76 noch härter – das dichte Rough und die heimtückischen Grüns von Aronimink lassen sich nicht mit purer Länge bewältigen.
Aus Schweizer Sicht: Schweizer Profis sind in dieser Major-Woche nicht im Feld. Für hiesige Fans hat die Geschichte trotzdem Relevanz: Martin Kaymer ist im Schweizer Golfsport seit zahlreichen Auftritten am Omega European Masters in Crans-Montana bestens bekannt. Ein deutschsprachiges Spitzentrio an einem Major-Donnerstag liefert allen Grund, am Wochenende vor dem Bildschirm Platz zu nehmen.
Runde zwei startet am Freitag. Schmid geht um 08:57 Uhr Ortszeit auf den Kurs, Kaymer und Jäger folgen am Nachmittag.
Photo by Getty Images
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