USA vor historischer Niederlage
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Die Kanadier brachten das Publikum zum Schweigen – ein Satz, der im Teamgolf nur selten zutrifft und beim Presidents Cup nun schon zum zweiten Mal innerhalb von zwei Tagen geschrieben werden kann. Am Freitag war Nick Taylor der Spielverderber, am Samstagnachmittag sorgten Nick Taylor und Corey Conners im Foursome für den nächsten Rückschlag der Amerikaner.
Die Stille rund um den Medinah Country Club passte zur ungewöhnlichen Ausgangslage. Der Presidents Cup hat endlich das bekommen, was ihm seit drei Jahrzehnten gefehlt hat: einen echten Wettkampf. Die Internationalen gehen mit drei Punkten Vorsprung, 10½:7½, in die abschliessenden Singles am Sonntag.
Jahrelang wurde der Presidents Cup darüber definiert, was ihm fehlte: ein Internationales Team, das wirklich dagegenhalten konnte. Seit dem ersten Presidents Cup 1994 haben die USA die Serie fast nach Belieben dominiert. In Medinah präsentiert sich nun ein anderes Bild.
Si Woo Kim und Tom Kim haben dem Internationalen Team viel Energie gegeben. Ryan Fox hat seine starke Form bestätigt, während der 38-jährige Presidents-Cup-Rookie Nick Taylor erneut gezeigt hat, wie stark er unter Druck spielen kann. Captain Geoff Ogilvy hat gleichzeitig auf jener Teamkultur aufgebaut, die Ernie Els, Trevor Immelman und Mike Weir in den vergangenen Jahren geschaffen haben. Die Internationalen kamen als klare Aussenseiter nach Medinah, treten seit der ersten Session aber auf Augenhöhe auf.
Umso grösser sind die Fragen auf amerikanischer Seite. Team USA verfügt mit Scottie Scheffler, Cameron Young und Wyndham Clark über herausragende Spieler und hat acht der besten elf Spieler der offiziellen Weltrangliste im Aufgebot. J.J. Spaun blieb sogar zu Hause, obwohl er der bestklassierte Spieler im Internationalen Team wäre, bei dem einzig Si Woo Kim zu den Top 20 gehört.
Doch mehrere amerikanische Leistungsträger blieben bislang hinter den Erwartungen. Justin Thomas überzeugte noch in der ersten Session, hatte danach aber Mühe. Xander Schauffele war mit zehn gewonnenen Punkten aus 14 früheren Matches im Presidents Cup in die Woche gestartet, holte seinen ersten Sieg jedoch erst am Samstagabend. Russell Henley und Jacob Bridgeman lagen am Samstagnachmittag gegen Taylor und Conners bereits 3 auf und verloren das Match trotzdem noch.
Auch Scottie Scheffler konnte dem Wettbewerb bislang nicht seinen Stempel aufdrücken. Der vierfache Major-Champion steht zwar bei einer Bilanz von 2-1, wurde von Captain Brandt Snedeker für die Foursomes am Samstag aber nicht aufgestellt. Schefflers Bilanz in diesem Format steht mittlerweile bei 1-8-1.
Snedeker nahm am Samstagabend einen Teil der Verantwortung für die Situation auf sich. «Ich habe mir den Hintern aufgerissen, um diese Jungs in die bestmögliche Situation zu bringen, und ich glaube nicht, dass ich diese Woche einen besonders guten Job gemacht habe, wenn man sieht, wo wir jetzt stehen», sagte der US-Captain.
Besonders auffällig bleibt die amerikanische Bilanz im Alternate Shot. Seit 2023 steht Team USA in diesem Format bei 8 Siegen und 26 Niederlagen. Auch in Medinah erwiesen sich die Foursomes als grosse Schwachstelle.
Damit steht Team USA am Sonntag vor einer Aufgabe, die vor Beginn des Presidents Cup kaum jemand erwartet hatte. Die Internationalen führen mit 10½:7½ Punkten und haben sich die Chance erarbeitet, den Wettbewerb erstmals seit 1998 wieder zu gewinnen.
Das Publikum in Medinah hat damit endlich jenen Presidents Cup bekommen, den sich der Wettbewerb seit Jahren wünscht: ein Duell, bei dem vor den abschliessenden Singles noch alles auf dem Spiel steht.
Photo by Michael Reaves/Getty Images
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