Padraig Harrington scheitert an sich selbst
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Padraig Harrington war auf dem Weg zum Titel bei der Senior PGA Championship – bis ihn am 15. Abschlag nicht nur Angel Cabrera, sondern auch ein altbekanntes Problem einholte: sein eigenes Selbstvertrauen.
Nach einer beeindruckenden Serie von sieben Birdies auf den ersten 14 Löchern lag der dreifache Major-Sieger zwei Schläge vor Cabrera. Doch dann folgte ein dramatischer Einbruch. «Ich habe mein Leben lang damit gekämpft, zu selbstsicher und überheblich zu werden», erklärte Harrington sichtlich enttäuscht. «Und genau das ist mir am 15. Tee passiert.»
Ein einfacher Schlag mit dem Holz 5, ein kleiner Draw – in der Theorie kein Problem. Doch Harrington geriet in Panik, verzog seinen Drive weit nach links ins dichte Rough und kassierte ein Doppelbogey. Der Vorsprung war dahin.
Ein Rückfall ins alte Muster
«Wenn man mit Zweifel an den Ball geht, fühlt sich das nicht gut an – aber man ist wenigstens vorsichtig», so Harrington. «Wenn man aber zu selbstbewusst ist und dann plötzlich Zweifel aufkommen, ist das ein sicherer Weg in die Katastrophe.»
Harrington blieb auch auf den verbleibenden drei Löchern Chancen verwehrt. Auf dem 18. Green verpasste er mit einem Drei-Putt die letzte Gelegenheit, Cabrera noch einzuholen – und unterschrieb eine 68, einen Schlag zu viel.
Während er danach mit der Presse sprach, verfolgte er live, wie Cabrera selbst auf dem Schlussloch drei Putts benötigte – ein Moment, der Harrington nochmals schmerzlich vor Augen führte, wie knapp er an einem möglichen Stechen vorbeigeschrammt war. «Ich hätte ihm so sehr gewünscht, dass er einfach mit zwei Putts durchkommt – aber das machte er nicht», seufzte Harrington.
Cabrera gewinnt zweites Major in sechs Tagen
Für Angel Cabrera ist es der zweite Titel binnen einer Woche. Nach dem wetterbedingt verschobenen Triumph bei der Regions Tradition in Alabama feierte der Argentinier nun auch am traditionsreichen Congressional GC einen Sieg – und ist damit aktuell der Mann der Stunde auf der Champions Tour.
Cabreras sportliche Rückkehr sorgt nicht nur wegen seiner Form für Schlagzeilen. Der frühere Masters- und US-Open-Sieger hatte erst kürzlich eine 30-monatige Haftstrafe in südamerikanischen Gefängnissen abgesessen. Verurteilt wurde er unter anderem wegen mehrfacher Körperverletzung, Einschüchterung und Drohungen gegenüber mehreren früheren Partnerinnen.
Mit dem Sieg in Congressional qualifiziert sich Cabrera nun für die PGA Championship 2026 in Aronimink. Für das Masters besitzt er als früherer Sieger weiterhin eine lebenslange Startberechtigung.
Doch genau hier stellt sich eine unbequeme Frage: Ist es für den Golfsport wirklich tragbar, einem wegen Gewalt- und Einschüchterungsdelikten verurteilten misogynen Machos auch nach verbüsster Haftstrafe lebenslange Privilegien einzuräumen? Dass Cabrera trotz seiner Vorgeschichte uneingeschränkt spielberechtigt bleibt – insbesondere bei Prestige-Turnieren wie dem Masters – wirft grundsätzliche Fragen zur Einstellung des professionellen Golfsports auf. Will man wirklich ein Signal senden, das solches Verhalten indirekt legitimiert?
Photo by Mike Mulholland/Getty Images
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