Golf4Disabled: «Golf kann die inklusivste Sportart werden»
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Mark Taylor, Ausbildungschef der European Disabled Golf Association (EDGA), präsentierte während des LET-Turniers in Holzhäusern eine spannende Showcase über die Entwicklungen im Paragolf. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der britische Pro mit Humor, Begeisterung und grosser Sachkenntnis für die weltweite Förderung der Inklusion im Golfsport.
Seit 2017 hat die EDGA spezialisiserte Teams gebildet, um alle Aspekte des Paragolfs weiterzuentwickeln: Ausbildung von Trainern und Physiotherapeuten, Motivation von Freiwilligen, Entwicklung technischer Mittel und enge Zusammenarbeit mit den nationalen Verbänden (darunter Swiss Golf und Swiss PGA) im Bereich G4D (Golf for Disabled). «Wir haben alle gewisse Einschränkungen – nehmen sie zum Beispiel Jon Rahm, der mit einem Klumpfuss geboren ist – bei Menschen mit Beeinträchtigungen sind sie einfach extremer», sagt Mark Taylor, ein britischer Profi, der sich seit zwanzig Jahren für die Förderung des Paragolfs einsetzt. Unter anderem hat er Hunderte von Trainern und Physiotherapeuten ausgebildet, damit sie Menschen mit Behinderung nicht nur die geeignete Technik, sondern auch die Freude am Golfspielen vermitteln können.
Die Website der EDGA präsentiert das gesamte Ausbildungs- und Förderungssystem mithilfe von Online-Modulen oder Präsenzworkshops, die von Angeboten in Clubs über die technische Verbesserung der Ausrüstung bis zum Training für Meisterschaften und speziellen Lehrmethoden für alle Arten von Beeinträchtigungen reicht: geistige, sensorische (blind, gehörlos, autistisch) oder körperliche (amputiert, gelähmt, sitzend oder stehend spielen usw.)
Kompensieren was fehlt
Für Mark Taylor steht der «Fun», die Freude am Golfspiel und das intensive Erlebnis im Vordergrund. Während der «Showcase»-Veranstaltung in Holzhäusern haben die nichtbehinderten Teilnehmer dank Simulations-Hilfsmitteln versucht, mit nur einem Arm (links oder rechts), einem Bein oder im Sitzen einen Schlag auszuführen. «Wenn ein Element fehlt, muss man es kompensieren», erklärt Mark Taylor, zum Beispiel mit Push oder Pull, mit einem Bein nach vorne gestellt, den Rollstuhl so drehen, dass man gerade schlagen kann, oder lernen, einen Schwung auszuführen, ohne den Körper zu bewegen. Gar nicht einfach! Aber dank der Anwesenheit von Rudi Böhm – der sich nach einer Kollision mit einem Lkw einer doppelten Beinamputation unterziehen musste – und Patrick Rosenast – der seit einer Gehirnoperation an einer Hemiparese leidet und gerade seinen Golf-Europameistertitel erfolgreich verteidigt hat – haben die Teilnehmenden gelernt, dass jeder Paragolfer eine eigene «cinematic sequence» entwickeln und trainieren muss, um einen Swing auszuführen. Mit anderen Worten muss für jede Art Beeinträchtigung praktisch eine spezielle Schwungtechnik erarbeitet werden. Für Rudi Böhm heisst diese Sequenz «Fuss-Knöchel-Beine», und dazu kommt die Kunst, während des Schwungs auf zwei Bein-Prothesen das Gleichgewicht zu halten.
Im Fokus
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Spezielle Driver von PING
Für Mark Taylor ist diese Problematik unendlich viel interessanter als der «normale» Golfunterricht. Der britische Profi hat sogar ein Diplom in Feinmechanik erworben und, unter anderem, zwei Jahre lang zusammen mit PING einen speziellen Driver mit modifiziertem Loft und Schaft-Winkel für Rollstuhlgolfer entwickelt. Er hat auch Velcro-Bänder und diverse Schlingen erfunden, mit denen der Schläger an der Hand befestigt werden kann, sowie Arm-Manschetten mit einem Kugel-Gelenk, für die Besfestigung des Schlägers. Diese verschiedenen technischen Hilfsmittel sollen bald in Fachgeschäften auf den Markt kommen.
Erwähnenswert ist auch, dass jedes Jahr weltweit mehr als 120 Disabled-Turniere stattfinden, bei denen Punkte für die Weltrangliste (WR4GD) gesammelt werden können, die den Zugang zu Veranstaltungen wie der R&A G4D Open, der US Adaptive Open und der G4D Tour ermöglichen, die sowohl Turniere auf der DP World Tour und der PGA Tour organisiert.
Mit seiner Fachkenntnis und seiner Begeisterung ist Mark Taylor der beste Beweis, dass die EDGA ein «Game Changer» ist, der Inklusion zu einem erstrangigen Thema im Golfsport macht. Weltweit gibt es Millionen von Menschen mit Behinderungen. «Alle diese Leute interessieren mich sehr, denn für sie bilden wir spezialisierte Coaches und Therapeuten aus. Ich möchte viel mehr Menschen, insbesondere mehr Frauen mit Beeinträchtigungen, zum Golfspielen bringen.» Die Teilnehmer seines Workshops in Holzhäusern werden den Satz von Patrick Rosenast bestimmt nicht vergessen: «Neben Familie und Arbeit bedeutet mir Golf alles. Ich habe gelernt, dass man nie aufgeben soll – you are not alone! Ohne Golf wäre ich wahrscheinlich depressiv geworden.» Diese Aussage fasst auch das beeindruckende Zusammengehörigkeitsgefühl zusammen, das die «EDGA-Familie» vereint.
Photos by Lukas Ernst Lüthi/Lumiamedia