Tiger Woods celebrates after putting the ball during the Players Championship TPC at Sawgrass in Point Vedra Beach, Florida.-2000
News ➝ Golf Legends  ·  2025-12-17 15:40:36  ·  Tom Page

Das Geheimnis von Woods’ Putting

Das Geheimnis von Woods’ entscheidendem Putten liegt nicht in der Perfektion, sondern in etwas noch Wichtigerem.

Tiger Woods besitzt keinen perfekten Putt-Standardschwung. Zu diesem Schluss kamen bereits vor vielen Jahren Auswertungen, als ein Bericht zu Woods’ Putt-Metriken veröffentlicht wurde. Die Daten stammten aus einer Reihe von Putts, die Woods Mitte der 2000er-Jahre auf dem SAM PuttLab spielte, einem der präzisesten Werkzeuge zur Messung der Mechanik des Puttings.

Laut diesem Bericht zielte Woods rechts vom Ziel, öffnete das Putterblatt im Rückschwung zu stark und schloss es im Durchschwung deutlich, wodurch er seine Putts gewissermassen wieder zurück auf die Linie «zog». Auf weitere Details wird verzichtet, da der Bericht lediglich fünf Putts umfasste – ganz sicher keine ausreichend grosse Stichprobe, um definitive Schlüsse über einen Spieler zu ziehen, der in seinem Leben Zehntausende von Putts geschlagen hat. Auffällig war jedoch etwas anderes: Obwohl Woods’ Bewegung viele Komponenten zu haben schien, wiederholte er jedes Mal exakt dieselbe Bewegung.

Genau darin liegt das Geheimnis seines starken Puttens in Drucksituationen. «Kannst du es Tag für Tag wiederholen? Kannst du es wiederholen, wenn alles zählt? Wenn ich zu robotisch werde, kann ich es nicht mehr wiederholen», sagte Woods 2019 im Gespräch mit Golf Digest während der Dreharbeiten zur elfteiligen Serie «My Game». Während manche Spieler mit einer möglichst mechanischen, starren Bewegung auf Wiederholbarkeit setzen, ist es für Woods genau das Gegenteil.

Dieses Gefühl von Freiheit, so erklärte Woods, habe er von dem zweimaligen Masters-Sieger Ben Crenshaw gelernt, einem der besten Putter der Golfgeschichte. Im Jahr 2000 erinnerte sich Woods im Golf Channel an eine Lektion, die er 1997 in Pebble Beach von Crenshaw erhalten hatte: «Er sagte: ‹Ich habe immer daran geglaubt, den Putterkopf hinter meinen Händen laufen zu lassen und dann das Gewicht des Putterkopfs den Ball schlagen zu lassen.› Meine Hände waren zu fest. Ich lockerte sie, brachte den Putterkopf hinter die Hände und liess dann durch das Gewicht des Putters den Ball treffen. Am Wochenende nach dieser Lektion mit Ben Crenshaw spielte ich 63 und 64.»

Seitdem spricht Woods immer wieder über die Bedeutung, den Putterkopf im Rückschwung «hinter die Hände» kommen zu lassen und das Gewicht des Putters den Ball treffen zu lassen. Das steht im Gegensatz zu einem stark mechanischen Schlag, bei dem Schultern, Arme, Hände und Schläger nahezu als Einheit bewegt werden. Dieses fliessende Gefühl trainiert Woods, indem er kurze Putts ausschliesslich mit der rechten Hand schlägt.

Warum Tiger Woods in den entscheidenden Momenten so stark puttet

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Doch selbst ein freier, fliessender Putt-Swing bringt wenig, wenn der Ball nicht sauber und mittig getroffen wird. Genau hier kommt die Genialität seiner einfachen Tee-Übung ins Spiel. Als fester Bestandteil seines Trainings und Aufwärmens platziert Woods zwei Tees an den Enden der Schlagfläche seines Putters. «Ich muss den Ball sauber treffen und das Blatt im Treffmoment square präsentieren», sagte Woods. Die Tees stehen dabei so nahe an der Schlagfläche, dass ein Treffer ausserhalb der Mitte sofort bestraft würde. So zwingt sich Woods zu konstantem Treffpunkt genau im Zentrum der Schlagfläche. In Kombination mit dem Rechtshand-Putten verbindet er Freiheit mit Konstanz: Freiheit durch den fliessenden Schwung, Konstanz durch den mittigen Treffpunkt.

Keiner fand das Zentrum der Schlagfläche so konsequent wie Woods. Ein Blick auf seinen langjährigen Scotty Cameron-Putter zeigt eine münzgrosse Abnutzung exakt in der Mitte der Schlagfläche. Der Putting-Coach der PGA Tour, Ralph Bauer, erklärt, dass genau diese Abnutzung Woods’ Erfolg auf den Greens verdeutlicht. «Was grossartige Putter auszeichnet, ist, dass ihr Schlag bei allen Arten von Breaks gleich bleibt», sagt Bauer. «Ein guter Beweis dafür ist, dass Tiger jedes Mal die Mitte des Putters trifft.»

Den Ball auf einer geraden Linie mittig zu treffen, ist das eine. Doch Bauer betont, dass es viel schwieriger sei, den Ball auf einem Break-Putt sauber zu treffen, wenn der Ball über oder unter den Füssen liegt. Gerade hier neigen selbst Spieler mit technisch sauberen Bewegungen dazu, den Ball minimal zu verziehen und dadurch Putts zu ziehen oder zu schieben.

Woods’ Abnutzungsspur zeigt, dass ihm genau das nahezu nie passiert – und genau darin liegt laut Bauer seine besondere Qualität auf den Grüns. Zwei Break-Putts verdeutlichen dies: Woods trifft den Ball jeweils exakt im Zentrum der Schlagfläche.

Klingt das zu einfach? Vielleicht kennt niemand Woods’ Putt-Bewegung besser als sein langjähriger Freund Rob McNamara, der in der Serie «My Game» erklärte, worauf Woods beim Putten fokussiert ist. «Der Schlüssel ist, dass du den Ball immer an derselben Stelle triffst und ihn mit dem gleichen Loft startest. Er schlägt den Ball so, dass er ihn praktisch jedes Mal mit etwa vier Grad Loft startet. Das ist extrem schwierig», sagte McNamara.

Ob Woods nun jedes Mal perfekt zielt oder sein Putterblatt stärker öffnet und schliesst als bei anderen Spielern, ist letztlich zweitrangig. Wenn es um das wirklich Entscheidende geht – sauberen Ballkontakt und einen konstanten Start auf der Linie – ist ihm niemand überlegen.

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