Wer oder was kam zuerst in  dein Leben: Golfprofi Mauro Gilardi oder Golf? Obwohl mein Grossvater schon lange Golf spielt, kam ich tatsächlich erst durch Mauro dazu. Ich lernte ihn vor vier Jahren in Magglingen kennen, wo ich einen WK absolvierte und er Rekrut an der Spitzensport-RS war. Im Jahr darauf begann ich, auf der Driving Range Golf zu spielen. Seit vergangenem Sommer spiele ich etwas regelmässiger und mit offizieller ­Platzreife. Wie reagieren deine Curling-Kolleginnen auf dein Hobby? Viele von ihn
News ➝ People & Clubs  ·  2026-05-02 17:07:03  ·  NT

Selina Witschonke – «Zum Glück muss ich mich nicht mit Mauro messen»

EM-Gold, WM-Silber und Olympia-Silber: Selina Witschonke gehört zu den erfolgreichsten Schweizer Curlerinnen und findet ihren Ausgleich beim Golf – gelegentlich mit ihrem Freund Mauro Gilardi.

Wer oder was kam zuerst in dein Leben: Golfprofi Mauro Gilardi oder Golf?

Obwohl mein Grossvater schon lange Golf spielt, kam ich tatsächlich erst durch Mauro dazu. Ich lernte ihn vor vier Jahren in Magglingen kennen, wo ich einen WK absolvierte und er Rekrut an der Spitzensport-RS war. Im Jahr darauf begann ich, auf der Driving Range zu trainieren. Seit vergangenem Sommer spiele ich etwas regelmässiger und mit offizieller ­Platzreife.

Wie reagieren deine Curling-Kolleginnen auf dein Hobby?

Viele von ihnen spielen selbst! Letztes Jahr haben wir mit unserem Team Aarau an zwei Sponsoren-Golfturnieren teilgenommen, was grossen Spass gemacht hat. Besonders Silvana Tirinzoni spielt stark und auch Alina Pätz bringt viel Erfahrung auf den Platz. Höchste Zeit für mich, auf dem Rasen etwas aufzuholen.

Was gibt dir der Golfsport, das dir Curling nicht bietet?

Als Curlerinnen sind wir zu 80 Prozent oder mehr in einer Halle ohne Tages­licht. Da schätze ich es sehr, längere Zeit an der frischen Luft zu sein und auf dem Platz immer wieder neue und interessante Leute kennenzulernen.

Erkennst du auch Parallelen?

Ja, auf jeden Fall. Technik und mentale Stärke spielen in beiden Sportarten eine zentrale Rolle. Mit zunehmendem Leistungsniveau steigt das Verständnis für die Umgebung – Platz und Wetter beim Golf, Eis beim Curling. Und immer geht es darum, über mehrere Stunden am Tag und mehrere Tage hintereinander den Fokus zu behalten.

Im Curling bist du Weltklasse – wie  steht es um deinen Ehrgeiz im  Golf?

Ich bin schon ehrgeizig, aber ich versuche vor allem, es zu geniessen. Zum Glück muss ich mich nicht mit Mauro messen.

Spielt ihr manchmal gegeneinander?

Nicht gegeneinander, sondern miteinander. Es ist doch schön, dass wir gemeinsam Zeit auf dem Platz verbringen können, obwohl die spielerischen Unterschiede riesig sind. Für mein eigenes Golf profitiere ich davon extrem.

Begleitest du ihn manchmal als Caddie?

Nur etwa drei- oder viermal im Jahr. Aber es macht mir jedes Mal Freude, wenn ich ihn aktiv unterstützen kann.

Dein lustigster Moment als Caddie?

Das war bei meinem allerersten Caddie-Einsatz auf hohem Niveau, obwohl ich selbst noch kaum Golf spielte. Mitten in der Runde fragte er mich plötzlich ob er droppen oder weiterspielen soll und kurz darauf, ob er einen fast unmöglichen Schlag durch die Bäume wagen soll. Ich war komplett überfordert, wusste aber aus dem Spitzensport, dass er eine klare, selbstbewusste Antwort brauchte. Also habe ich einfach entschieden – und zum Glück sind beide Schläge gelungen.

Wie schlägt er sich umgekehrt im Curling?

Mauro ist nicht nur ehrgeizig, sondern erstaunlich talentiert – sein ausgeprägtes Körpergefühl merkt man auch im Curling. Bereits nach wenigen Steinen hat er ein gutes Gespür für das Eis entwickelt. Im Curling macht er mir definitiv mehr Konkurrenz als ich ihm beim Golfen.

Welches Golf-Ziel hast du dir für die nächsten Jahre gesetzt?

So viel zu spielen wie nur möglich. Mein Handicap ist mir dabei nicht wichtig. Ich möchte die Sommertage mit Familie und Freunden auf einer Golfrunde geniessen.


 

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Schweizer Golf Magazin

FORE#2

Spitzenathletin im Curling

Selina Witschonke, 27, gebürtige Bündnerin, wuchs im Kanton Luzern auf und begann ihre Karriere beim Curling Club Luzern, ehe sie zum CC Aarau wechselte. 2016 gewann sie ihre erste Medaille bei den Olympischen Jugendspielen, 2019 führte sie das Schweizer Juniorinnen-Team zu Bronze und feierte mit Skip Silvana Tirinzoni zwei EM-Goldmedaillen, WM-Silber 2024/2025 und Olympia-Silber 2026 in Mailand-Cortina. Parallel dazu schloss sie ein Studium in Sportmanagement ab.