Chris Wood: Der lange Weg zurück aus Angst, Zweifel und Burnout  Es gibt Golfgeschichten, die weit über Resultate, Rankings und Trophäen hinausgehen. Die Rückkehr von Chris Wood gehört zweifellos dazu.  Noch 2016 lag dem Engländer die Golfwelt zu Füssen. Mit seinem Sieg bei der BMW PGA Championship in Wentworth spielte er sich ins europäische Ryder-Cup-Team und etablierte sich in den Top 50 der Weltrangliste. Der elegante Longhitter aus Bristol galt als einer der grossen Hoffnungsträger des europäischen Gol
News ➝ HotelPlanner Tour  ·  2026-05-12 20:19:24  ·  Tom Page

Chris Wood: Der lange Weg zurück von Angst, Zweifel und Burnout

Es gibt Golfgeschichten, die weit über Resultate, Rankings und Trophäen hinausgehen. Die Rückkehr von Chris Wood gehört zweifellos dazu.

Noch 2016 lag dem Engländer die Golfwelt zu Füssen. Mit seinem Sieg bei der BMW PGA Championship in Wentworth spielte er sich ins europäische Ryder-Cup-Team und etablierte sich in den Top 50 der Weltrangliste. Der elegante Longhitter aus Bristol galt als einer der grossen Hoffnungsträger des europäischen Golfs.

Doch hinter den Kulissen begann sein Spiel bereits auseinanderzufallen.

Heute, fast zehn Jahre später, kämpft sich Wood mit bemerkenswerter Offenheit zurück Richtung DP World Tour. Der Sieg bei der Italian Challenge Open auf der HotelPlanner Tour markierte zuletzt den emotionalen Höhepunkt eines langen und schmerzhaften Comebacks.

In einem aussergewöhnlich ehrlichen Player Blog der DP World Tour sprach Wood erstmals detailliert über Angstzustände, Schlaflosigkeit, mentale Erschöpfung und den schleichenden Verlust seines Spiels.

Bereits Ende 2016 habe sich sein Schwung «nicht mehr wie sein eigener» angefühlt. Zwar spielte er damals das beste Golf seiner Karriere, doch die Kontrolle über den Ballflug begann langsam zu verschwinden. Besonders bei Windbedingungen verlor Wood jene Stärke, die ihn jahrelang ausgezeichnet hatte.

Was zunächst wie kleine technische Probleme wirkte, entwickelte sich über Jahre zu einer mentalen Belastungsspirale.

2019 erreichte die Situation einen kritischen Punkt. Wood entwickelte extreme Streuungen mit dem Driver – so gravierend, dass er bei der BMW PGA Championship in Wentworth keinen Driver mehr im Bag hatte. Nur drei Jahre nach seinem Sieg auf demselben Platz.

Von diesem Zeitpunkt an begleiteten ihn Angst, Anspannung und Schlafprobleme permanent. Bereits beim Verlassen seines Hauses Richtung Turnier habe die innere Unruhe begonnen. Während der Turnierwochen sei der Druck rund um die Uhr präsent gewesen.

«Ich war voller Angst, Spannung und Nervosität», beschreibt Wood seine damalige Situation. Schlaflose Nächte, endlose Trainingsstunden und die verzweifelte Suche nach Lösungen hätten ihn immer tiefer in einen Kreislauf aus mentaler Erschöpfung geführt.

Besonders kritisch blickt Wood heute auf die Zusammenarbeit mit verschiedenen Coaches zurück. Er habe seinen Trainern vertraut, aber dabei vergessen, auf sein eigenes Gefühl zu hören. Statt Fragen zu stellen oder Grenzen zu setzen, entfernte er sich immer weiter von seinem natürlichen Schwung.

Während der Covid-Zeit zog sich Wood beinahe vollständig vom Turniergolf zurück. Da die Tour-Kategorien eingefroren wurden, musste er kaum spielen – und erstmals begann er zu realisieren, wie ernst seine mentale Situation tatsächlich war.

Eine zentrale Rolle spielte dabei seine Ehefrau Bethany. Gemeinsam mit ihren damals zwei kleinen Kindern – mittlerweile hat die Familie vier Kinder – verbrachten sie während der Pandemie viel Zeit zuhause. Bei täglichen Spaziergängen sprach Wood erstmals offen über seine Ängste und seine mentale Belastung.

Diese Gespräche seien emotional extrem intensiv gewesen.

Trotzdem versuchte er weiterhin, sein Spiel mit noch mehr Training zu retten. Rückblickend bezeichnet er diese Phase als klassischen Burnout-Zyklus: immer mehr arbeiten, ohne echte Fortschritte zu erzielen.

2022 verlor Wood schliesslich seine Tourkarte. Kurz vor Saisonende vertraute er sich erstmals dem medizinischen Team der DP World Tour an. Wenig später brach er während eines Turniers in Südafrika emotional zusammen. Seine Eltern hätten ihm damals am Telefon schlicht gesagt: «Komm nach Hause.»

Dieser Moment wurde zum Wendepunkt.

Wood zog sich 2023 komplett zurück und begann gezielt an seinem Burnout und seinen Angstzuständen zu arbeiten. Dennoch habe er nie ernsthaft daran gedacht, endgültig mit Golf aufzuhören.

«Das Feuer war immer da», sagt Wood heute. Die Schläge habe er weiterhin gesehen – nur nicht mehr ausführen können.

Gemeinsam mit den Coaches James Martin und Ed Coughlan begann anschliessend ein behutsamer Neuaufbau. Der wichtigste Grundsatz lautete dabei: «Kein weiteres Trauma.»

Der Neustart begann bewusst klein. Erst nur mit einem Eisen 6 und einem Putter über neun Löcher. Keine schwierigen Situationen, kein Druck, keine negativen Trigger.

Schritt für Schritt kehrte das Vertrauen zurück.

Heute spricht Wood offen darüber, dass ihn früher bereits drei Löcher vor einem Abschlag mit dem Driver massive Angstgefühle begleiteten. Inzwischen gelte nur noch ein Prinzip: «Spiele den Schlag, den du wirklich siehst.»

Die Fortschritte sind mittlerweile sichtbar. Nach drei Siegen auf der MENA Tour sicherte sich Wood die Spielberechtigung für die HotelPlanner Tour. Mit dem Triumph bei der Italian Challenge Open kletterte er bereits auf Rang fünf der Road-to-Mallorca-Wertung – und plötzlich erscheint eine Rückkehr auf die DP World Tour wieder realistisch.

Besonders emotional ist dabei seine Motivation zuhause. Seine Kinder haben ihren Vater noch nie ein Profi-Turnier gewinnen sehen.

«Meine Tochter möchte eine Trophy-Party veranstalten, damit sie ihr schönes Kleid tragen kann», erzählt Wood.

Es sind genau solche Momente, die dieser Geschichte ihre besondere Tiefe verleihen.

Denn Chris Woods Comeback ist weit mehr als nur die Rückkehr eines ehemaligen Ryder-Cup-Spielers. Es ist die Geschichte eines Golfers, der sich durch Angst, Zweifel und mentale Erschöpfung kämpfen musste – und der heute stärker wirkt als je zuvor.

Photo by Valerio Pennicino/Getty Images