Jordan Spieth stagniert – zwischen Hoffnung und Frust
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Vor zehn Jahren begann die grosse Geschichte von Jordan Spieth. Drei Majors vor dem 24. Geburtstag, magische Recovery-Schläge, Putts aus unmöglichen Distanzen und eine Emotionalität, die Golffans weltweit faszinierte. Spieth war nie der klinisch perfekte Spieler – genau das machte ihn so besonders.
Doch 2026 präsentiert sich der Amerikaner in einer Version, die viele seiner Anhänger ratlos zurücklässt. Nicht schlecht. Nicht spektakulär. Vor allem aber: erstaunlich stabil.
Gerade diese Stabilität wirkt fast paradox. Über Jahre war Spieth der Inbegriff des Chaos-Golfs. Birdies aus dem Wald, rettende Pars nach wilden Drives und komplette Achterbahn-Runden gehörten zum Markenzeichen. Besonders sein Comeback 2021 bleibt bis heute ein faszinierender Fall. Damals kompensierte er massive Probleme vom Tee mit brillantem Putting, kreativem Kurzspiel und starken Eisen. Der Driver war statistisch eines der schwächsten Elemente auf der Tour, doch Spieth fand Wege, trotzdem zu gewinnen.
Der Triumph bei den Valero Texas Open und die starke Phase rund um das Masters Tournament vermittelten das Gefühl, dass die alten Zeiten zurück sind. Allerdings auf eine andere Art.
Denn parallel kämpfte Spieth zunehmend mit körperlichen Problemen. Vor allem eine hartnäckige Handgelenksverletzung beeinflusste seine Entwicklung über mehrere Jahre. 2024 musste er schliesslich operiert werden. Für viele Fans wirkte es danach so, als hätte die Unsicherheit nicht mehr nur den Driver betroffen, sondern das gesamte Spiel.
Heute ist das Bild ein anderes. Spieth verpasst kaum noch Cuts. In den letzten zwölf Monaten scheiterte er nur einmal am Wochenende. Schlechte Resultate werden fast immer von soliden Turnieren aufgefangen. Das Problem: Die grossen Ausschläge nach oben fehlen ebenfalls.
T52 bei der Truist Championship, danach T18 bei der PGA Championship. T63 bei den Texas Open, anschliessend T12 beim Masters. Viermal exakt Rang 11 oder 12 in dieser Saison – aber kein einziger Top-10-Platz.
Statistisch zeigt sich dieselbe Geschichte. Spieth bewegt sich 2026 praktisch überall im oberen Mittelfeld: Driving, Eisenspiel, Short Game und Putting liegen jeweils solide, aber nicht elitär. Genau daraus entsteht dieses neue Profil: konstant konkurrenzfähig, aber selten wirklich gefährlich.
Für TV-Sender bleibt Spieth dennoch eine zentrale Figur. Seine Popularität ist weiterhin enorm. Doch während frühere Versionen des Texaners jederzeit eine magische Runde aus dem Nichts liefern konnten, scheint der aktuelle Spieth oft im Neutralgang unterwegs zu sein.
Das zeigte auch die jüngste PGA Championship. Nach einer spektakulären 62er-Runde am Freitag startete Spieth aus einer Spitzenposition ins Wochenende – nur um am Samstag mit einer 73 weit zurückzufallen. Genau solche Momente nähren die Frustration vieler Fans: Die Hoffnung flammt kurz auf, bevor wieder Ernüchterung folgt.
Spieth selbst beschreibt den aktuellen Prozess allerdings bewusst langfristig. Er wolle nicht länger kompensieren, sondern seine Technik nachhaltig stabilisieren. Gesundheit und Mechanik seien dabei die zentralen Themen.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Botschaft dieser Phase: Der heutige Jordan Spieth ist kein Spieler mehr für explosive Kurssprünge. Sondern eher eine langfristige Investition. Weniger spektakulär, dafür kontrollierter. Für seine Fans bedeutet das vor allem eines: Geduld.
Photo by Getty Images
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