Min Woo Lee of Australia celebrates Texas Childrens Houston Open 2025 Memorial Park Golf 2025 Texas
News ➝ PGA Tour  ·  2025-03-31 09:14:25  ·  Tom Page

Min Woo Lee schafft Durchbruch auf der PGA Tour in Houston

Min Woo Lee hat geliefert. Der charismatische Australier sicherte sich mit einer nervenstarken Schlussrunde seinen ersten Titel auf der PGA Tour – beim Texas Children’s Houston Open. Es war kein einfacher Sieg, kein Spaziergang, sondern ein Reifetest, bei dem Lee alle Facetten seines Spiels und Charakters zeigen musste. Und genau das macht diesen Erfolg so wertvoll.

Nach seiner glänzenden 63 am Samstag startete Lee mit vier Schlägen Vorsprung in den Finaltag. Alles sah nach einem souveränen Triumph aus. Doch Golf verzeiht keine Unachtsamkeit – und so verwandelte sich das, was nach einer Machtdemonstration aussah, plötzlich in einen Kampf gegen die Zeit, gegen die Gegner, gegen sich selbst.

Am Par-5 der achten Spielbahn geriet Lee nach einem Drive ins Unterholz in arge Bedrängnis. Lange überlegte er, ob er den Ball sogar kniend schlagen sollte. Doch der 25-Jährige entschied sich für einen kontrollierten Drop und rettete mit einem cleveren Punch-Out und solidem Up-and-Down das Par – ein kleiner Moment, der im Rückblick vielleicht der Schlüsselmoment war.

Danach festigte er sein Spiel, legte Birdies auf den Löchern 12 und 13 nach und schien den Titel sicher nach Hause zu bringen. Doch Championship-Golf verlangt Perfektion bis zum letzten Putt.

Während Lee versuchte, seinen Rhythmus zu behalten, drehte Scottie Scheffler auf: vier Birdies in Serie. Auch Gary Woodland spielte sich mit einer sensationellen 62 – gleichbedeutend mit der Einstellung des Platzrekords – in den Titelkampf zurück. Der Vorsprung von fünf Schlägen war dahin. Am 16. Loch folgte ein Drive ins Wasser – aus dem sicheren Sieg wurde ein wackelndes Ein-Schlag-Polster.

Woodland wartete mit -19 im Clubhaus, Scheffler zog gleich, und alles lag nun auf Lees Schultern. Am 18. Grün stand er vor einem diffizilen 50-Fuss-Putt von der hinteren Kante – ein Moment, der nach Spektakel schrie. Doch Lee, bekannt als «Dr. Chipinski» für seine Kreativität ums Grün, entschied sich nicht für die Show, sondern für Kontrolle. Ein perfekter Lag-Putt – und der Sieg war sein.

«Sie sagen ja immer, es kommt auf die sechs Inches zwischen den Ohren an – und das war diese Woche der Fall», sagte Lee nach dem Triumph. «Ich wusste immer, dass ich das Spiel habe, um zu gewinnen. Die Frage war: Kann ich es mental auch durchziehen?»

Mit seiner Aussage trifft er den Nerv vieler junger Spieler. Talent ist eine Sache – mental standzuhalten, wenn der Sieg plötzlich auf der Kippe steht, eine andere. Lee hat gezeigt, dass er beides kann.

Min Woo Lee of Australia wear Let Him Cook hats during the second round of the WM Phoenix Open

Photo by Orlando Ramirez/Getty Images

Für Lee ist der Sieg in Houston mehr als nur eine Trophäe. Es ist die Bestätigung, dass er in der Weltspitze angekommen ist. 2023 hatte er bereits mit starken Auftritten bei der Players Championship und der US Open angedeutet, wohin die Reise gehen könnte. Auch der Sieg bei der Australian PGA Championship war ein Fingerzeig. Doch in den USA fehlte bislang der grosse Wurf – bis jetzt.

Min Woo Lee ist mehr als nur ein Spieler mit Potenzial. Seine Präsenz, seine spielerische Risikofreude, sein Flair für grosse Momente und seine Nähe zum Publikum machen ihn zu einem der spannendsten Akteure der neuen Golfgeneration. Mit dem Spruch «Let him cook» hat er sich eine Fanbase aufgebaut, die weit über die klassischen Golfgrenzen hinausreicht.

Nach diesem Sieg richten sich die Blicke nun Richtung Augusta. Das Masters wartet – und mit dem Rückenwind aus Houston wird Lee mit viel Selbstvertrauen am ersten Major des Jahres teilnehmen. Er hat nicht nur bewiesen, dass er gewinnen kann. Er hat gezeigt, dass er es auch nervlich durchziehen kann.

Min Woo Lee hat gekocht. Und die Golfwelt ist gespannt, welches Gericht er als Nächstes serviert.

Photo by Kenneth Richmond/Getty Images