Gelungene Saisoneröffnung der Swiss Paragolf Association
News ➝ Swiss Paragolf Association  ·  2025-05-19 16:43:25  · golf.page-intro.author Therese Obrecht Hodler

Gelungene Saisoneröffnung der SPGA

Bei schönstem Wetter und auf dem perfekt präparierten Platz im Golf Limpachtal trafen sich die Mitglieder Swiss Paragolf Association am Samstag, 17. Mai, zu einem gemischten Vierer-Scramble mit Familienmitgliedern, Freunden oder Begleitern.

«Never give up – you are not alone» heisst der Slogan der 2022 gegründeten Swiss Paragolf Association (SPGA), die aktuell 36 aktive und 65 passive Mitglieder und Supporter zählt. Zu Fuss, mit Cart, Töff oder einem ParaGolfer, dem speziellen, 200 Kilo schweren Mobilitäts-Fahrzeug dank dem Paraplegiker die Schläge stehend ausführen können, starteten junge und weniger junge Paragolferinnen und -golfer mit verschiedenen Beeinträchtigungen, teils seit der Geburt, teils nach Unfällen oder Krankheiten, zum Beispiel Bein-Prothesen, ein amputierter Arm oder eine gelähmte Körperseite. Sie alle haben eines gemeinsam: nie aufgeben und trotz aller Mühseligkeiten Golf spielen. Die grosse Freude aller, an diesem Tag und bei diesem Event dabei zu sein war spürbar. Die SPGA ist eine Schicksalsgemeinschaft von Gleichgesinnten, die sich für ihre Sache einsetzen und versuchen, in der Schweiz im Behindertengolf vergleichbare Bedingungen mit anderen europäischen Ländern zu schaffen. 

Wie eine Familie

«Ich habe letztes Jahr im Paraplegikerzentrum Nottwil zufällig von der SPGA gehört und wurde sofort Mitglied. Die Atmosphäre unter uns ist einmalig, wir sind wie eine Familie» , sagte mein Walliser Flighpartner Fabian Zuber, ehemaliger Pilot bei Air Zermatt und Mitglied im GC Matterhorn. Oder Miro Waldvogel, der 25-jährige Zürcher, seit seiner Geburt durch eine Zerebralparese beeinträchtigt, der jetzt in Thun wohnt und in Interlaken trainiert. Bereits 2021 gewann er die Italian Open for Disabled Golfers und spielt heute – einarmig – mit Handicap 9,4 dank seinen ausgezeichneten Resultaten, darunter drei Siege an internationalen EDGA-Turnieren (European Disabled Golf Association). Unterstützt durch PlusSport, die SPGA, Swiss Golf und die hejaheja Stiftung Behindertensport sagt er: «Es wäre extrem schön, wenn es auch in der Schweiz mehr Unterstützung zum Beispiel auch mit Trainigscamps gäbe.»  

Zwölf Vierergruppen starten zwischen 10 und 12 Uhr. Im ersten Flight spielten zwei Gründungsmitglieder der SPGA, Patrick Rosenast, Präsident - und dazu amtierender Europameister in der Kategorie Stroke Play Net -  in Belgleitung von Urs Bucher, Vorstandsmitglied und seit vielen Jahren als Rollstuhlgolfer unterwegs, sowie Rovena Rosenast und Rita Albrecht-Zander, zuständig für Inklusion bei Swiss Olympic. Patrick Rosenast, ein leidenschaftlicher Golfer, der seit 2020 infolge einer Hirnblutung bei einer Gehirnoperation an einer Lähmung der linken Körperhälfte leidet, stellte fest dass die Schweiz Jahrzehnte im Rückstand lag im Vergleich mit vielen europäischen Ländern, wo G4D (Golf for Disabled) eine feste Kategorie im Golfsport ist. 2022 gründete Patrick Rosenast die SPGA, zusammen mit Emmanuel Berset (ehemaliger olympischer Wurf-Leichtathlet, heute Paragolfer mit Beinprothese), Urs Bucher und David Luisi (Miro Waldvogels Vater). 

Gelungene Saisoneröffnung der Swiss Paragolf Association
Gelungene Saisoneröffnung der Swiss Paragolf Association

Sensibilisierung und Visibilität

Die Swiss ParaGolf Association hat sich zum Ziel gesetzt, den Golfsport für Menschen mit Behinderung zu fördern, den Zugang und die Inklusion zu erleichtern sowie Wettkämpfe auf nationaler und internationaler Ebene zu ermöglichen. In einem nächsten Schritt plant die SPGA als angeschlossene Vereinigung Swiss Golf beizutreten, was die Zusammenarbeit in Sachen Training, Finanzierung und Wettkämpfe erleichtern sollte.  

Inklusion beginnt mit der Sensibilisierung, zunächst in den Clubs, damit Menschen mit Beeinträchtigung die Infrastruktur mit ihren spezifischen Bedürfnissen nutzen können. So stellen sich immer mehr Clubs darauf ein, Golfern mit besonderen Hilfsmitteln (ParaGolfer, Prothesen usw.) den Zugang zu den Plätzen zu erleichtern, während gleichzeitig angepasste Golfregeln die Teilnahme an offenen Wettbewerben ermöglichen und so auch den Kontakt zwischen behinderten und nicht behinderten Golfern herzustellen oder zu intensivieren.

Faire Regeln für alle

Offensichtlich ist die Frage der fairen Regeln für die verschiedenen Kategorien von Beeinträchtigungen ein Knackpunkt, der noch immer nicht gelöst ist und ein wichtiger Grund dafür ist, dass Golf bei den Paralympics bisher nicht zugelassen wurde. Der R&A in St. Andrews veröffentlichte schon vor 25 Jahren ein Regelbuch «for Disabled» aber diese wurden nicht in allen Ländern gleich angewendet und von der EDGA teils auch geändert. Aktuell werden die Paragolf-Regeln ein weiteres Mal überarbeitet.

Die zwei Rollstuhlfahrer beim Turnier in Limpachtal, Vorstandsmitglied Urs Bucher und mein Flightpartner Patrick Maurin, waren sich einig, dass sie mit ihrem High-Tech ParaGolfer Mobilitäts-Fahrzeug in vielen Situationen eindeutig benachteiligt sind. Der Walliser Patrick Maurin nahm 2022 an der Paragolf WM in Belgien teil und spielte chancenlos gegen einen Schweden, der unter einer leichten Behinderung an einem Fuss litt. «Mein Gegner spielte im Gegensatz zu mir fast normales Golf. Mit meinem 200 Kilo schweren Fahrzeug konnte ich zudem nicht in den Bunkern spielen oder an steilen Abhängen bei Wasserhindernissen. Es gab jedesmal einen Strafschlag wenn ich den Ball nicht so spielen konnte wie er lag», erinnert sich Patrick Maurin, der seither auf die Teilnahme an internationalen Meisterschaften lieber verzichtet.

Die nächsten Events der Swiss Paragolf Association: Swiss Golf Open G4D Championship in Payerne vom 25-27 Juli (zum ersten Mal als EDGA-Approved Event) sowie das Abschlussturnier der Saison im GC les Bois am 30 August. 

Photos by Thérèse Obrecht Hodler