Der amtierende Masters-Champion reist als befreiter Mann nach Augusta. Kein Druck, keine Bürde – aber den Hunger nach dem zweiten Green Jacket hat er trotzdem.
Vor einem Jahr kniete Rory McIlroy auf dem 18. Green des Augusta National Golf Club, die Hände vors Gesicht geschlagen, überwältigt von Emotionen. Nach 17 Versuchen hatte er endlich gewonnen. Der Career Grand Slam. Das Masters Tournament. Die grüne Jacke.
Diese Woche fährt er die Magnolia Lane wieder hinunter – aber als ein anderer Mensch.
«Das wird das erste Mal sein, dass ich die Magnolia Lane hinunterfahre und es mir nur ums Geniessen geht», sagte McIlroy. «Den Parkplatz im Champions Car Park nutzen. Die Champions Locker Room benutzen. Das Dinner am Dienstagabend hosten. Ich weiss, dass ich das Masters für den Rest meines Lebens spielen darf – das ist ein befreiendes Gefühl.»
Der Gastgeber hat sein Menü bereits geplant
Das Champions Dinner am Dienstag ist eine der grossen Traditionen des Masters: Der amtierende Champion stellt das Menü für seine Mitstreiter zusammen – ausschliesslich frühere Sieger, von Jack Nicklaus bis Scottie Scheffler. McIlroy nahm diese Aufgabe bewusst an.
Er kombinierte Gerichte aus seiner nordirischen Heimat mit Einflüssen aus einem Spitzenrestaurant in New York. «Ich wollte kein Thema erzwingen», erklärte er. «Ich wollte etwas, das ich geniesse – aber auch etwas, das alle anderen Champions geniessen werden.»
Rücken-Problem überstanden
Die Vorbereitung auf Augusta verlief nicht ganz reibungslos. Beim Bay Hill Invitational musste McIlroy am Wochenende mit Rückenproblemen aufgeben – ein Moment, der kurzzeitig Fragen aufwarf.
«Der kleine Rücken-Zwischenfall hat einen Moment lang alles kompliziert», sagte er. «Aber ich habe mich schnell erholt und bin sehr zufrieden, wie mein Körper reagiert hat.» Anschliessend verzichtete er bewusst auf weitere Turniere und bereitete sich gezielt auf Augusta vor – unter anderem mit Trainingsrunden vor Ort.
Die Jagd auf ein Stück Geschichte
Auch wenn McIlroy betont, das Masters entspannter anzugehen, bleibt der sportliche Antrieb bestehen. Die Ausgangslage ist klar.
Nur drei Spieler konnten das Masters in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gewinnen: Jack Nicklaus (1965–66), Nick Faldo (1989–90) und Tiger Woods (2001–02). Sollte McIlroy seinen Titel verteidigen, wäre er der erste seit mehr als zwei Jahrzehnten.
«Ich kenne das Gefühl, wenn ich gut vorbereitet bin», sagte er. «Und ich weiss, dass die Titelverteidigung beim Masters etwas ganz Seltenes ist. Das reizt mich.»
Scheffler, DeChambeau, Rahm – die Gegner
Scottie Scheffler gilt als einer der Topfavoriten auf einen weiteren Masters-Sieg. Bryson DeChambeau reist mit zwei Playoff-Siegen auf der LIV Tour in starker Form an. Jon Rahm, Champion von 2023, peilt ebenfalls eine starke Woche an.
McIlroy bleibt bei sich. Er hat seinen Parkplatz. Sein Locker. Sein Jacket.
Und er weiss, wo der Putt auf dem 18. Loch einlaufen muss.
Das Masters 2026 findet vom 9. bis 12. April auf dem Augusta National Golf Club statt. In der Schweiz ist das Turnier live auf SKY Sports zu verfolgen.
Photo by David Cannon/Getty Images
In primo piano
golf.news.async-loader.error-message