E-Trolleys – ein brandheisses Thema
News ➝ Equipment  ·  2025-11-27 08:35:04

E-Trolleys – ein brandheisses Thema

Im Jahr 2025 häuften sich in Schweizer Golfclubs Brände, bei denen Elektro-Trolleys im Verdacht stehen. Trotz unklarer Ursache wächst die Sorge unter Golfern und Betreibern.

Der Sommer 2025 brachte eine Serie von Bränden, die die Schweizer Golf-Community aufhorchen liess. Den Auftakt machte Anfang Juni im bündnerischen Vulpera ein Holzschuppen, der unter anderem als Depot für elektrische Trolleys genutzt wurde. Gebäude und Inventar wurden vollständig zerstört. Wenige Wochen später, in der Nacht auf den 16. Juli, schlug das Feuer im Golf & Country Club Schönenberg zu. Kurz nach 2.30 Uhr meldeten Anwohner Rauch aus dem Lagerraum. Die Einsatzkräfte hatten die Flammen rasch unter Kontrolle, doch Golfausrüstungen, E-Trolleys und Teile der Gebäudestruktur gingen verloren. Der Schaden beläuft sich auf rund zwei Millionen Franken.

Am 22. Juli stand der Golf de Lavaux in Puidoux in Flammen. In einem Gebäude mit administrativen und logistischen Funktionen brach ein Feuer aus, das 33 Feuerwehrleute mobilisierte. Zwar konnte das Feuer noch am Vormittag eingedämmt werden, doch das gesamte erste Obergeschoss wurde zerstört. Die auf dem Dach installierten Solarpanels wurden stark beschädigt, Partikel gelangten in die umliegenden Böden, und eine Dekontaminierung war erforderlich. Und als wäre das nicht genug, traf es in der Nacht auf den 11. September den Golfclub Rheinblick an der Schweizer Grenze. Kurz nach Mitternacht bemerkten Zeugen Rauch aus einem Kellerraum, in dem mehrere hundert Golftaschen und E-Trolleys gelagert waren. Die Feuerwehr verhinderte Schlimmeres, die Materialschäden blieben jedoch beträchtlich.

Die gute Nachricht: Verletzt wurde niemand. Die schlechte, oder zumindest unbefriedigende: In keinem Fall konnte die Brandursache präzise geklärt werden. Offiziell heisst es meist «technische Ursache». Doch inoffiziell weiss man längst, worüber alle reden: Lithium-Ionen-Akkus. Sie sind das Herz moderner E-Trolleys – klein, leicht, kraftvoll, aber chemisch heikel. Gerät eine Zelle ausser Kontrolle, kann sie sich selbst entzünden.

«Es ist schon so, dass in den meisten Fällen Lithium-Batterien oder defekte Ladegeräte die Brandursache sind», sagt Peter Strassmann, Gründer des Schweizer Golftrolley-Anbieters Golfomania. «Und da in den Caddyhallen viele Akkus auf engstem Raum lagern, ist die Gefahr entsprechend gross.» Strassmann zählt Ursachen auf, die banal klingen, aber fatale Folgen haben können: Beschädigung durch Stürze, Überladung, Tiefentladung, Kurzschluss, falsches Ladegerät. «Man sollte nur Original-Ladegeräte benutzen und defekte Teile sofort austauschen», betont er. «Zum Aufladen oder Lagern empfehle ich Brandschutzboxen – auch zu Hause. Und Clubs sollten sich unbedingt von Brandschutzexperten beraten lassen.»

Auch Daniel Breitenmoser, CEO von LS-Golf, kennt die Tücken der Technik. «Batterien, die über längere Zeit nicht geladen werden, können unter eine Spannung von fünf Volt fallen. Solche Batterien sind nicht mehr wiederbelebbar und gelten als defekt aufgrund falscher Handhabung – nicht als Garantiefall», betont er. Seine Faustregel: nach jedem Spiel aufladen, im Winter alle drei Monate nachladen, Ladegerät und Akku nach dem Laden trennen. Nie unter null oder über 45 Grad lagern – ideal sind 25 Grad. Und ganz wichtig: «Nie im Auto lagern. Der Kofferraum kann im Sommer überhitzen, das ist gefährlich und verkürzt die Lebensdauer massiv.» Wer auf Nummer sicher gehen will, greift laut Breitenmoser zu Lithium-Eisenphosphat-Akkus (­LiFePO4). Diese Technologie gilt als thermisch stabiler – sie kann nicht brennen oder explodieren. Flat Cat bietet diese Option beispielsweise an.

Thomas Mühlethaler, Geschäftsführer und Inhaber der Adrenio GmbH, die hinter der Schweizer Trolley-Marke ad-hena steht, weist wiederum auf Qualitätsunterschiede hin: «at-hena entwickelt und konstruiert die gesamte Elektro-Trolley-Linie in der Schweiz, setzt auf geprüfte deutsche BMZ-Zellen und hat damit überhaupt keine Sicherheitsprobleme. Bei diesen Golfprodukten braucht es sehr viel Knowhow, das durch unsere Ingenieure zu 100 Prozent abgedeckt ist.» Vor allem aber sieht er den fehlenden Schutz bei der Lagerung als grundsätzliches Problem. «Kaum jemand verwendet einen Akku-Safebag», sagt er. «Dabei sollte jeder Akku – ob im Caddyraum, im Auto oder zu Hause – in so einem hitzebeständigen Sack aufbewahrt werden.» Ein Safebag kann verhindern, dass ein Brand auf die Umgebung übergreift.

Tatsächlich ist der Umgang mit Akkus oft eine Frage der Routine. Wer sie korrekt lädt, pflegt oder lagert, spielt jahrelang problemlos. Wer sie achtlos im Sommer im Kofferraum liegen lässt oder über Monate nicht nachlädt, riskiert, dass aus einem harmlosen Stück Technik eine tickende Brandquelle wird. Die Hersteller sind sich einig: Die Geräte selbst sind sicher – wenn man sie denn richtig behandelt. Das Thema E-Trolleys ist damit kein Randphänomen, sondern eine Frage der Verantwortung. Die Clubs müssen ihre Ladezonen sichern, die Golfer ihr Verhalten überdenken, die Hersteller aufklären. Golf war lange Inbegriff von Ruhe und Gelassenheit. Dass nun ausgerechnet die stillen Begleiter auf vier Räder für Aufregung sorgen, ist eine Ironie, die keiner will.

Kaum jemand ­verwendet einen ­Akku-Safebag.
Thomas Mühlethaler, Geschäftsführer und Inhaber der Adrenio GmbH

Praktische Tipps für Golfer

Regelmässige Inspektion: Überprüfe deinen E-Trolley und insbesondere den Akku regelmässig auf sichtbare Schäden, lose Kabel oder Risse im Gehäuse. Beschädigte Batterien (z. B. nach einem Sturz) sofort fachgerecht entsorgen – sie dürfen nicht weiterverwendet werden.

Richtiges Laden: Nach jedem Spiel vollständig aufladen. Über die Wintermonate alle 3–4 Monate nachladen, um Tiefentladung zu vermeiden (unter 5 Volt = irreparabel). Nur Original-Ladegeräte verwenden – nie universelle oder nicht geprüfte Geräte. Nach dem Laden Ladegerät und Akku voneinander trennen und das Ladegerät vom Stromnetz ziehen. Ladegerät nicht dauerhaft eingesteckt lassen – bei Bedarf eine Zeitschaltuhr nutzen (z. B. 6 Stunden). Nicht bei Temperaturen unter 0 °C oder über 45 °C laden; ideal sind 10–25 °C.

Sichere Lagerung: Akku an einem trockenen, kühlen Ort aufbewahren – niemals im Auto, insbesondere nicht im Sommer (Überhitzungsgefahr). Beim Lagern oder Laden stets einen Brandschutz-Safebag oder eine Brandschutzbox verwenden – auch zu Hause. Kontakt mit Wasser (z. B. durch Gewässer) unbedingt vermeiden; nasse Akkus nicht trocknen oder lagern, sondern sofort entsorgen. Tipp: Lithium-Eisenphosphat-Akkus (LiFePO4) sind eine sichere Alternative, da sie nicht brennen oder explodieren können.

Praktische Tipps für Golfclubs

Brandschutz und Infrastruktur: Rauchmelder, Feuerlöscher und ggf. automatische Brandmeldeanlagen in allen Lade- und Lagerbereichen installieren. Mit der Gebäudeversicherung oder einem Brandschutzexperten abklären, welche Schutzmassnahmen empfohlen werden. Ladezonen mit klaren Abständen zwischen den Geräten einrichten – keine Mehrfachsteckdosen oder provisorischen Verkabelungen. Sicherstellen, dass Lüftung und Temperatur im Lagerraum kontrolliert sind (nicht unter 0 °C, nicht über 45 °C).

Lagerung und Organisation: Individuelle Brandschutzboxen oder Safebags für jedes Mitglied vorschreiben oder feste Brandschutzschränke/-container installieren. Wenn möglich, Lagerung von Akkus ausserhalb des Clubhauses oder in feuerfesten Metallcontainern. Keine beschädigten oder nassen Akkus lagern – betroffene Batterien müssen umgehend fachgerecht entsorgt werden.

Schulung und Sensibilisierung: Mitarbeiter und Mitglieder im sicheren Umgang mit Lithium-Akkus schulen. Regelmässig über Herstellerempfehlungen, Gefahren und neue Sicherheitsstandards informieren. Klare Richtlinien für den Umgang mit E-Trolleys im Club einführen (z. B. Pflicht zum Laden nur in definierten Bereichen).