Arnold Palmer – sein Einfluss auf The Open ist bis heute spürbar
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Arnold Palmer gewann 1961 in Royal Birkdale seinen ersten Claret Jug. Da die 154. Ausgabe von The Open erneut auf dem traditionsreichen Linksplatz in Southport ausgetragen wird, lohnt sich ein Blick auf Palmers wegweisende Erfolge – und auf sein bis heute nachwirkendes Vermächtnis.
Im Golfsport gab es viele der grössten Athleten der Geschichte – von Jack Nicklaus bis Tiger Woods. Doch nur einer trägt den Beinamen «The King»: Arnold Palmer.
Sein Einfluss auf den Golfsport – und den Sport insgesamt – kann kaum überschätzt werden.
Palmer machte The Open in den USA populär wie nie zuvor und trug entscheidend dazu bei, Golf einem breiten Publikum näherzubringen. Gleichzeitig veränderte er das Sportmarketing grundlegend – lange bevor Michael Jordan seine ersten Basketballschuhe schnürte.
Sein berühmter Handschlag mit seinem engen Freund Mark McCormack, dem späteren Gründer von IMG, im Jahr 1960 ebnete den Weg dafür, dass Spitzensportler auch ausserhalb ihrer Wettkämpfe erhebliche Einnahmen erzielen konnten. Aus einer einfachen Geste entstand eine Revolution.
Während heutige Spitzenspieler Palmer für seinen Weitblick und sein Vertrauen in McCormacks Geschäftssinn dankbar sein können, war sein grösster Einfluss auf dem Golfplatz zu spüren – dort, wo sein Vermächtnis bis heute gefeiert wird.
Arnold Palmer wurde 1929 in Latrobe im US-Bundesstaat Pennsylvania geboren. Sein Vater Deacon war Head Professional im Latrobe Country Club und brachte seinem Sohn dort die Grundlagen des Golfsports bei. Der Rest ist Golfgeschichte.
Nachdem sich Palmer als bester Spieler seiner Region etabliert hatte, gelang ihm 1954 mit dem Gewinn der US Amateur Championship der Durchbruch. Wenige Monate später wechselte er ins Profilager.
Mit seinem kraftvollen und kompromisslosen Spielstil gewann er schnell zahlreiche Anhänger. Seine Fans wurden als «Arnie’s Army» bekannt. Statt defensiv vorzulegen, griff Palmer konsequent die Fahnen an.
Seinen ersten Profisieg feierte er im August 1955 bei den Canadian Open. Bis zu seinem vierten Start beim Masters 1958 folgten sieben weitere Turniersiege.
In Augusta gewann Palmer 1958 seinen ersten Major-Titel mit einem Schlag Vorsprung auf Doug Ford und Fred Hawkins. Zwei Jahre später sicherte er sich dort bereits sein zweites Green Jacket.
1960 folgte ein entscheidender Moment – nicht nur für Palmer selbst, sondern auch für die Geschichte von The Open. Später sprach er oft von «the trip», seiner Reise nach St Andrews, um erstmals bei der ältesten Golfmeisterschaft der Welt anzutreten.
Nachdem er in jenem Jahr bereits das Masters und die US Open gewonnen hatte, träumte Palmer vom modernen Grand Slam – in Anlehnung an Bobby Jones, der 1930 alle bedeutenden Amateur-Titel gewonnen hatte.
Doch The Open war seit Ben Hogans Triumph 1953 nicht mehr von einem Amerikaner gewonnen worden. Entsprechend gering erschienen die Erfolgsaussichten. Palmer war einer von lediglich vier US-Spielern im Feld von St Andrews – zwölf Monate zuvor in Muirfield war gar kein Amerikaner angetreten.
Anfang der 1960er-Jahre mussten sich alle Spieler zunächst über eine 36-Loch-Qualifikation für The Open qualifizieren. Viele Amerikaner scheuten die Reise nach Grossbritannien auf eigene Kosten und das Spiel auf den ungewohnten Linksplätzen.
Palmer sah das anders. Er griff St Andrews mit derselben Entschlossenheit an, die sein gesamtes Spiel auszeichnete. Seine enorme körperliche Stärke war legendär – einmal wurde sein Händedruck als stark genug beschrieben, um eine Walnuss zu zerdrücken.
In Schottland war Palmer die grosse Attraktion jener Woche. Bei seinem Debüt verpasste er den Claret Jug um nur einen Schlag. Der Australier Kel Nagle sicherte sich den Titel.
Im Fokus
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Palmer kehrte 1961 zurück. «The Open und ich hatten noch eine offene Rechnung», sagte er später.
Die Qualifikation für Royal Birkdale absolvierte er auf dem benachbarten Hillside Golf Club. Anschliessend spielte er Runden von 70, 73, 69 und 72 Schlägen und gewann mit einem Schlag Vorsprung auf den Waliser Dai Rees.
Sein berühmtester Schlag dieser historischen Woche gelang ihm an der damaligen 15. Bahn (heute Loch 16): Mit einem Eisen 6 spielte er den Ball vom Fuss eines Busches aufs Grün. Heute erinnert dort eine Gedenktafel an diesen Schlag.
Mit diesem Sieg erfüllte sich Palmer den Traum, Champion Golfer of the Year zu werden. Gleichzeitig war er nach Ben Hogan (1953) und Sam Snead (1946) erst der dritte Amerikaner, der den Claret Jug in den vorangegangenen drei Jahrzehnten gewann. Dank der zunehmenden Fernsehübertragungen in die USA nahm auch das amerikanische Publikum verstärkt Notiz von The Open.
Zurück in den USA setzte Palmer seine Erfolgsserie fort. Anfang 1962 gewann er zunächst den Palm Springs Golf Classic und eine Woche später die Phoenix Open.
Im April holte er sein drittes Green Jacket beim Masters. Nach weiteren Siegen im Frühjahr reiste er erneut nach Grossbritannien, um seinen Open-Titel zu verteidigen. Mit dabei waren unter anderem Gene Littler, Phil Rodgers und der 22-jährige US-Open-Sieger Jack Nicklaus.
Austragungsort war das sonnenverwöhnte Royal Troon. Weder die harten Fairways noch die schnellen Grüns konnten Palmer bremsen.
Mit Runden von 71 und 69 Schlägen erspielte er sich zunächst zwei Schläge Vorsprung auf Kel Nagle. Eine 67 in der dritten Runde baute den Vorsprung auf fünf Schläge aus. Mit einem Birdie auf dem 72. Loch und einer Schlussrunde von 69 Schlägen gewann Palmer schliesslich mit sechs Schlägen Vorsprung.
Sein Gesamtscore von 276 Schlägen unterbot den damaligen Open-Rekord um zwei Schläge. Erst 1977 wurde diese Bestmarke verbessert. Zudem war Palmer nach Ben Hogan 1953 erst der zweite Spieler, der im selben Jahr sowohl das Masters als auch The Open gewann.
Nur acht Jahre nach seinem Wechsel ins Profilager gehörte Arnold Palmer bereits zu den grössten Golfern aller Zeiten.
The King
Mit seinem spektakulären Spielstil gewann Palmer nicht nur unzählige Turniere. Er veränderte auch die Wahrnehmung von The Open in den USA nachhaltig. In den folgenden Jahren reisten immer mehr amerikanische Profis zur ältesten Golfmeisterschaft der Welt – eine Entwicklung, die bis heute anhält. Die letzten drei Ausgaben von The Open wurden mit Brian Harman (2023), Xander Schauffele (2024) und Scottie Scheffler (2025) allesamt von Amerikanern gewonnen.
«Ich bin immer wieder gekommen und habe die Botschaft weitergetragen», sagte Palmer einmal. «Mir wurde bewusst, wie wichtig The Open für den Golfsport ist.»
«Heute gibt es keinen Spitzenspieler mehr, der The Open nicht zu den bedeutendsten Turnieren der Welt zählt. Man muss dieses Turnier spielen. Es geht nicht um Preisgeld, Reisen oder das Wetter. Es geht um Karrieren. Das sollte niemand vergessen.»
Arnold Palmer hinterliess nicht nur im Golfsport bleibende Spuren, sondern auch bei den Menschen, denen er begegnete. Er verweigerte kaum je ein Autogramm, lehnte keine Bitte um ein Foto ab und nahm sich stets Zeit für ein Gespräch.
Ein Golf-Superstar. Eine Ikone. Ein König.
Photos by Archive/Getty Images