Chaos in Augusta – der Final wird zum offenen Schlagabtausch
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Was sich am Samstag im Augusta National Golf Club abspielte, lässt sich kaum in klassische Turnierlogik pressen. Ein Raunen ging durch die Zuschauer rund um das 18. Grün, als aus der «13» plötzlich eine «11» wurde – ein Moment, der sinnbildlich für einen Moving Day stand, der das Masters 2026 komplett auf den Kopf stellte.
Rory McIlroy war mit einem historischen Vorsprung von sechs Schlägen nach 36 Löchern in den Samstag gestartet. Die Ausgangslage schien klar: Der Nordire kontrollierte das Feld, während die Konkurrenz zwar tief spielte, aber rechnerisch kaum näherkam. Doch Augusta stellte einmal mehr unter Beweis, dass hier andere Gesetze gelten.
Der Wendepunkt kam beim Amen Corner. McIlroys Annäherung auf Loch 11 landete im Wasser, der anschliessende Bogey-Putt verfehlte die Kante – aus einer komfortablen Führung wurde plötzlich ein brüchiges Konstrukt. Ein Doppelbogey an der 11, ein weiteres Bogey an der 12 und ein erkämpftes Par an der vermeintlich einfachen 13 - was zuvor kontrolliert wirkte, wurde zur Zerreissprobe.
Mit einer 73 (+1) gab McIlroy die Führung aus der Hand – und das Masters wurde über Nacht zu einem offenen Rennen.
Young stürmt heran – die Verfolger wittern ihre Chance
An der Spitze liegt McIlroy nun gleichauf mit Cameron Young bei 11 unter Par. Der Amerikaner startete mit acht Schläge Rückstand, spielte sich mit sieben Birdies auf 14 Löchern nach vorne und sicherte sich mit einer 65 den Platz in der Finalgruppe.
Hinter dem Führungsduo lauert ein dicht gedrängtes Feld: Haotong Li, Jason Day, Shane Lowry und Sam Burns liegen allesamt in Schlagdistanz.
Besonders gefährlich erscheinen jedoch zwei Namen: Justin Rose und Scottie Scheffler. Rose, der ewige Augusta-Herausforderer ohne Green Jacket, bringt Erfahrung und Konstanz mit. Scheffler wiederum unterstrich mit einer 65 eindrucksvoll seine Klasse – ein dritter Masters-Titel würde ihn in eine exklusive historische Kategorie katapultieren.
Augusta fordert seinen Tribut
Statistisch funktionierte McIlroys Spiel vom Tee auch am Samstag. Doch der visuelle Eindruck erzählte eine andere Geschichte. Zu oft brachte er sich in schwierige Lagen, während sein zuvor so verlässliches Eisenspiel an Präzision verlor. Immer wieder drifteten die Schläge nach links.
Augusta ist bekannt dafür, Fehler nicht sofort zu bestrafen, sondern sie zu akkumulieren. Über 45 Löcher hinweg hatte McIlroy von seiner Klasse profitiert – am Samstag wurde die offene Rechnung beglichen.
«Dieser Platz zeigt dir sofort, wenn du dich nicht ganz wohl fühlst», erklärte McIlroy nach der Runde. «Man muss tief graben. Das habe ich auf den Front Nine geschafft, aber die Löcher 11 und 12 waren entscheidend.»
The Masters
Ein Moving Day der Extreme
Dass McIlroys defensive Runde nicht reichen würde, zeigte ein Blick auf das Leaderboard. Mit einem Durchschnitt von 70,6 Schlägen war es die tiefste dritte Runde in der Geschichte des Masters Tournament.
Lowry sorgte mit einem Hole-in-One für ein Highlight, Scheffler spielte sich mit sechs unter Par auf den Front Nine in die Spitzengruppe, während Burns, Day und Rose ebenfalls konstant tief blieben. Augusta zeigte sich ungewohnt angreifbar – und das Feld nutzte die Gelegenheit.
Alles offen vor dem Finaltag
Mit nur noch 18 Löchern vor sich präsentiert sich das Masters 2026 so offen wie selten. McIlroy teilt zwar weiterhin die Führung, doch die Dynamik hat sich komplett verschoben. Was als mögliche Krönung begann, ist zu einem nervenaufreibenden Finale geworden.
Am Samstagabend bot sich ein symbolträchtiges Bild: McIlroy, allein auf der Range, unter Flutlicht, während sich die Anlage bereits geleert hatte. Ein Spieler zwischen Analyse, Korrektur und der Suche nach dem entscheidenden Gefühl.
Das Masters bleibt damit, was es immer war: unberechenbar. Ob der Einbruch vom Samstag der Beginn eines weiteren Augusta-Dramas ist oder nur ein kurzes Aufflackern – die Antwort folgt am Sonntag.
Photos by Hector Vivas/Getty Images
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