Joaquín Niemann hat nach seinem viel diskutierten Ausraster bei der US Open in Shinnecock Hills erstmals Stellung bezogen. Der Chilene zeigte sich einsichtig, hielt die Strafe der USGA aber gleichzeitig für etwas hart.
News ➝ US Open  ·  2026-06-20 00:27:51  ·  Tom Page

Joaquín Niemann bereut Ausraster – und spielt danach seine beste Runde

Joaquín Niemann hat nach seinem viel diskutierten Ausraster bei der US Open in Shinnecock Hills erstmals Stellung bezogen. Der Chilene zeigte sich einsichtig, hielt die Strafe der USGA aber gleichzeitig für etwas hart.

Der Captain von Torque GC war in der ersten Runde wegen «schweren Fehlverhaltens» mit zwei Strafschlägen belegt worden. Niemann hatte auf dem Par 4 der sechsten Bahn einen Schläger geworfen und eine Markierungsfahne weggetreten, nachdem zwei Abschläge im Out gelandet waren und sein dritter Ball im dichten Fescue-Rough verschwand.

Aus seiner ursprünglich gespielten Neun auf dem Loch wurde dadurch eine 11. Die Strafe führte dazu, dass Niemann zum Auftakt eine 77er-Runde (+7) unterschreiben musste und früh um den Cut kämpfen musste.

«Ich bin nicht stolz darauf»

Am Freitag gelang dem LIV-Golf-Profi jedoch die perfekte Reaktion. Nur wenige Stunden nach Abschluss seiner ersten Runde spielte er eine starke 65 (-5) und verbesserte sich damit auf insgesamt drei über Par.

Nach der Runde sprach die Nummer 80 der Weltranglisten erstmals ausführlich über den Vorfall.

«Die ganze Frustration kam in mir hoch. Ich hatte den Schläger in der Hand und konnte nicht widerstehen, ihn wegzuwerfen», sagte Niemann.

Er ergänzte: «Ich habe mich umgeschaut. Da war offensichtlich niemand in der Nähe. Ich bin nicht stolz darauf. Aber manchmal hat man grosse Erwartungen an sich selbst, möchte gut spielen, und wenn die Dinge nicht so laufen wie erhofft, wird man frustriert. Genau das ist mir passiert.»

«Ich werde daraus lernen»

Auf die Frage, ob die Strafe gerecht gewesen sei, antwortete Niemann bemerkenswert offen.

«Das war ein Fehlverhalten meinerseits. Ich habe das Gefühl, dass die zwei Strafschläge vielleicht etwas hart waren, aber es ist nun einmal so. Ich denke, ich werde daraus lernen.»

Mit einem Lächeln fügte er hinzu, dass die Strafe möglicherweise sogar einen positiven Nebeneffekt habe.

«Es hat mir vielleicht sogar geholfen, heute eine bessere Runde zu spielen.»

Neue Null-Toleranz bei den Majors

Niemann gehört zu den ersten prominenten Spielern, die unter dem verschärften Verhaltenskodex der Major-Turniere bestraft wurden. Seit Beginn der Saison 2026 verfolgen die USGA, der R&A, das Augusta National Golf Club und die PGA of America eine deutlich strengere Linie bei unsportlichem Verhalten.

Bereits beim diesjährigen Masters Tournament erhielt Sergio Garcia eine offizielle Verwarnung, nachdem er während der Finalrunde am zweiten Abschlag Schaden verursacht hatte.

Der Fall Niemann zeigt nun, dass die Verantwortlichen nicht nur Verwarnungen aussprechen, sondern auch bereit sind, empfindliche Strafen zu verhängen. Für den Chilenen endete die Geschichte zumindest sportlich versöhnlich – mit einer der besten Runden des Tages.

Photo by Mike Mulholland/Getty Images