J. J. Spaun of the United States poses with the trophy after winning during the final round of the 125th U.S. OPEN at Oakmont Country Club on June 15, 2025 in Oakmont, Pennsylvania
News ➝ US Open  ·  2025-06-16 09:34:36  ·  Tom Page

J.J. Spaun krönt sich in Oakmont mit Birdie auf dem 72. Loch

Was sich am Sonntagnachmittag in Oakmont abspielte, war phasenweise reines Chaos. Für rund 90 Minuten verwandelte sich das Finale der US Open in ein unberechenbares Spektakel – vor allem auf den letzten neun Löchern. Der nasse, wilde Platz forderte alles von den Spielern.

Am Ende war es J.J. Spaun, der den grössten Titel seiner Karriere gewann. Mit einem dramatischen Birdie auf dem Par 4 der 17 und einem abschliessenden Putt aus 19,5 Metern auf der 18 – einem historischen Schlag, der eigentlich nur als Zwei-Putt-Par gedacht war – sicherte sich der Kalifornier bei einem Gesamtscore von 279 Schlägen (-1) den Sieg. Es war der längste gelochte Putt auf dem Schlussloch während der gesamten Turnierwoche.

Spaun, aktuell die Nummer 25 der Welt, blieb als einziger Spieler unter Par und setzte sich mit zwei Schlägen Vorsprung vor dem Schotten Robert MacIntyre durch.

Dabei begann sein Finaltag alles andere als vielversprechend: Fünfmal notierte er eine «5» auf der Scorekarte, spielte die ersten sechs Löcher mit fünf über Par. Zu diesem Zeitpunkt schien Spaun bereits aus dem Rennen.

Doch dann kam ein für ihn goldrichtiges Wetterunterbruch. Um 16.01 Uhr Ortszeit wurde das Spiel unterbrochen, um 17.37 Uhr wieder aufgenommen. Die Bedingungen blieben miserabel – aber Spaun kehrte verändert zurück. «Die Unterbrechung hat den ganzen Tag für mich gedreht», sagte er später.

Nur eine Stunde nach dem Re-Start war kein Spieler mehr unter Par. 15 Minuten später führten fünf Golfer bei +1: Spaun, Sam Burns, Adam Scott, Tyrrell Hatton und Carlos Ortiz.

Doch einer nach dem anderen liess Federn. Spaun hingegen lochte Birdies auf den Bahnen 12, 14, 17 und 18. Mit Runden von 66, 72, 69 und 72 holte sich der 34-Jährige seinen zweiten grossen Titel nach dem Valero Texas Open 2022. «Zum Glück war heute mein Tag», meinte Spaun sichtlich bewegt.

J. J. Spaun of the United States poses with the trophy after winning during the final round of the 125th U.S. OPEN at Oakmont Country Club on June 15, 2025 in Oakmont, Pennsylvania
US Open 2025

«Zum Glück war heute mein Tag»

MacIntyre (68) hatte zwischenzeitlich 45 Minuten lang die Clubhausführung inne und hoffte auf ein Playoff. Er war in der Nähe, als Spaun zum finalen Putt ansetzte – in der Hoffnung auf ein Dreiputt-Finale. Doch Spaun beendete das Turnier mit Stil – und mit Emotionen, wie man sie von ihm selten sieht.

Bereits im März hatte Spaun beim Players Championship im TPC Sawgrass gross aufgespielt und war dort im Playoff gegen Rory McIlroy am Montagmorgen gescheitert. Diesmal war das Glück auf seiner Seite. «Ich hätte nie gedacht, dass ich mal hier stehen und diese Trophäe halten würde», sagte Spaun bei der Siegerehrung. «Aber ich habe immer davon geträumt.»

Dritter wurde Viktor Hovland (73), den geteilten vierten Platz sicherten sich Burns (78), Cameron Young (70), Hatton (72) und Ortiz (67). Burns und Scott, die in der Schlussgruppe spielten, beendeten ihre Runden mit 78 bzw. 79 Schlägen. Gemeinsam mit Scheffler und Rahm belegte Burns Platz 7 bei +4. Scott wurde geteilter Zwölfter (+6).

Burns hatte auf den Back Nine noch Siegchancen, doch Doppelbogeys an den Löchern 11 und 15 zerstörten seine Hoffnung auf den ersten Major-Titel – bereits zum zweiten Mal in Folge. In der Vorwoche hatte er das Playoff gegen Ryan Fox beim RBC Canadian Open verloren.

Adam Scott, der 44-jährige Publikumsliebling, wurde am Sonntag von den Fans am meisten gefeiert. Viele hofften auf einen zweiten Major-Sieg nach dem Masters 2013. Doch auch er verlor auf den letzten fünf Löchern fünf Schläge – inklusive Doppelbogey auf dem Par 3 der 16. «Es war einfach brutal heute», sagte Scott. «Sonntag bei der US Open – das allein ist schon hart. Aber mit diesen Bedingungen war es heute besonders schwierig. Zum Glück war es nicht die ganze Woche so.»

Auch Burns nahm es sportlich: «Ich habe alles gegeben. Golf ist ein schwieriges Spiel – vor allem auf diesem Platz. Aber ich kann erhobenen Hauptes rausgehen.»

Am Ende reiht sich Spaun in eine eindrückliche Liste von US-Open-Siegern in Oakmont ein: Dustin Johnson, Ernie Els, Johnny Miller, Ben Hogan – und nun auch J.J. Spaun. Für ihn war es erst die zweite Teilnahme an einer US Open – 2021 in Torrey Pines hatte er den Cut verpasst. Insgesamt war es erst sein neunter Start bei einem Major, seine bisherige Bestleistung war ein geteilter 35. Platz bei der PGA Championship 2018.

Nun katapultiert er sich auf Platz 8 der Weltrangliste – ein bemerkenswerter Aufstieg für einen Spieler, der vor einem Jahr noch um seinen PGA-Tour-Status kämpfen musste. «Ich wusste nie, wie gut ich wirklich sein kann», sagte Spaun. «Aber ich bin froh, dass ich drangeblieben bin und heute zeigen konnte, was möglich ist.»

Photo by Ben Jared/PGA TOUR via Getty Images and Warren Little/Getty Images