Fade mit Driver oder Draw mit 3-Holz – welcher Schlag fliegt weiter?
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In der Testserie «MythBusters» von Golf Digest+ werden hartnäckige Golf-Mythen mit Messdaten überprüft.
Eine der häufigsten Fragen lautet: Kann ein Draw mit dem Holz 3 weiter fliegen als ein Fade mit dem Driver? Ein kontrollierter Robotertest liefert darauf eine klare Antwort.
Statistische Auswertungen von Amateurgolfern zeigen seit Jahren: Der Driver ist vom Abschlag in den meisten Situationen die bessere Wahl. Zwar treffen viele Golferinnen und Golfer mit dem Fairwayholz minimal öfter das Fairway, doch längere Annäherungsschläge kosten in der Regel mehr Schläge, als die leicht höhere Genauigkeit einbringt. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass das Holz 3 tatsächlich kürzer fliegt als der Driver.
Genau hier setzt der Mythos an. Viele Spieler schlagen mit dem Driver fast ausschliesslich einen Fade, können den Ball mit dem Holz 3 aber leichter drehen und einen Draw spielen. Da ein Fairwayholz mehr Loft hat, lässt sich der Ball oft einfacher von rechts nach links bewegen. Frühere Tests zeigten zudem: Ein Wechsel von starkem Fade zu leichtem Draw mit dem Driver kann bis zu rund 18 Meter mehr Länge bringen.
Um diese Frage sauber zu klären, testeten die Experten von Golf Laboratories gemeinsam mit Gründer Gene Parente, welcher Schlag weiter fliegt: ein Fade mit dem Driver oder ein Draw mit dem 3-Holz. Zum Einsatz kam der Golf-Labs-Schwungroboter. Getestet wurde mit einem Driver mit 10 Grad Loft und einem Fairwayholz mit 13 Grad Loft, etwas stärker als ein klassisches 15-Grad-Holz 3. Beide Schläger stammten aus derselben Modellfamilie und demselben Produktionsjahr.
Der Roboter schwang den Driver mit 96 mph Schlägerkopfgeschwindigkeit, was dem Durchschnitt vieler männlicher Amateure entspricht. Mit dem kürzeren Fairwayholz lag die Geschwindigkeit bei 93,5 mph. Die Driver-Schläge flogen mit einem Fade von rund 16 Metern, die Holz-3-Schläge mit einem Draw von etwa 11 Metern. Sämtliche Daten wurden mit dem Launch Monitor Foresight Sports QuadMAX erfasst.
Das Resultat ist eindeutig. Trotz unterschiedlicher Ballflüge war der Driver deutlich länger. Die Fade-Schläge mit dem Driver trugen im Schnitt 202 Meter und kamen mit Roll auf eine Gesamtdistanz von rund 221 Metern. Die Draws mit dem Holz 3 erreichten eine Carry-Länge von etwa 189 Metern und endeten bei rund 201 Metern total. Der Unterschied betrug damit über 20 Meter.
Die Ursachen liegen vor allem in der Physik. Mit dem Driver wurde eine höhere Ballgeschwindigkeit gemessen: 223 km/h gegenüber 217 km/h. Zudem flogen die Driver-Bälle flacher, mit einer maximalen Höhe von rund 23 Metern statt etwa 31 Metern, und mit deutlich weniger Spin. Der Driver erzeugte im Schnitt rund 2935 Umdrehungen pro Minute, das Fairwayholz rund 4099. Weniger Loft, weniger Spin und mehr Balltempo führen zu einer durchdringenderen Flugkurve und zu mehr Roll nach der Landung.
Was bedeutet das für die Praxis? Nur weil sich der Ball mit dem Fairwayholz leichter drehen lässt, heisst das nicht, dass dieser Schlag länger ist. Selbst ein moderater Fade mit dem Driver fliegt weiter als ein leichter Draw mit dem Holz 3. Dabei ist zu berücksichtigen: Im Test wurde ein Fairwayholz mit 13 Grad Loft verwendet. Mit einem klassischen 15-Grad-Holz-3 dürfte der Längenunterschied sogar noch grösser ausfallen.
Nicht abgeleitet werden darf daraus jedoch, dass diese Zahlen in jedem Bag exakt gleich aussehen. Unterschiede im Material, etwa ein neuer Driver und ein älteres Fairwayholz oder umgekehrt, können die Distanzdifferenz verändern. Ebenso spielt der individuelle Ballflug eine Rolle. Wer sowohl mit Driver als auch mit einem Holz 3einen Fade schlägt, wird oft einen noch grösseren Abstand feststellen. Ein ausgeprägter Slice mit dem Driver wurde bewusst nicht getestet, da er für die Mehrheit der Golfer nicht den typischen Ballflug darstellt.
Unterm Strich bestätigt der Test die statistische Bedeutung des Drivers vom Abschlag. Der Längenverlust von über 20 Metern beim Wechsel auf das Holz 3 lässt sich durch eine nur geringfügig bessere Genauigkeit in den meisten Spielsituationen nicht kompensieren. Für tiefere Scores bleibt der Driver für die Mehrheit der Golferinnen und Golfer die klare Nummer eins vom Tee.
Photo by David Cannon/Getty Images
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