Rory McIlroy: Monster-Vorsprung für das zweite Green Jacket
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Eine der besten Runden seiner Karriere bringt Rory McIlroy in eine historische Ausgangslage beim Masters Tournament.
Es sind diese Momente in Augusta, die sonst nur Legenden vorbehalten sind. Standing Ovations, die sich durch die Fairways ziehen, getragen von einer Ahnung: Hier passiert gerade etwas Besonderes.
Am Freitagabend erlebte Rory McIlroy genau das. Als der Titelverteidiger nach seiner Runde das 18. Grün hinaufging, erhoben sich die Zuschauer – nicht am Sonntag, nicht nach 72 Löchern, sondern zur Halbzeit des Turniers. Es fühlte sich bereits wie ein Triumphzug an.
Und das hatte Gründe.
Mit einer 65 (–7) spielte McIlroy eine der besten Runden seiner Karriere. Neun Birdies, darunter sechs auf den letzten sieben Löchern – eine Schlussphase, die Augusta zum Beben brachte. Der Höhepunkt: ein gelochter Pitch aus rund 27 Metern auf Loch 17, gefolgt von einem sicheren Birdie auf der 18.
Das Resultat ist historisch. Mit sechs Schlägen Vorsprung führt McIlroy nach 36 Löchern – so deutlich wie noch kein Spieler zuvor in der Geschichte des Masters zu diesem Zeitpunkt. Nur einmal in der Turnierhistorie verspielte ein Spieler nach einer ähnlichen Ausgangslage den Sieg.
Ein Jahr nach seinem emotionalen Triumph und dem vollendeten Career Grand Slam steht der 36-Jährige damit vor der Chance, Geschichte zu schreiben. Nur Jack Nicklaus, Nick Faldo und Tiger Woods konnten das Masters in zwei aufeinanderfolgenden Jahren gewinnen.
Doch McIlroy bleibt vorsichtig. «Ich weiss, was hier passieren kann», sagte er mit einem Lächeln – eine Anspielung auf seinen Einbruch 2011, als er auf den letzten neun Löchern die Führung aus der Hand gab.
Die Lehre daraus ist klar: nicht verwalten, sondern weiterspielen. «Nicht versuchen, den Vorsprung zu schützen. Frei spielen, weiter angreifen, weiter Birdies machen», erklärte McIlroy.
Dass er überhaupt so dominant auftritt, ist umso bemerkenswerter, weil ausgerechnet sein Driver nicht funktioniert. In der Fairway-Statistik liegt er im hinteren Feld. Doch mit präzisen Eisen, starken Wedges und einem heissen Putter gleicht er das aus – unter anderem mit sieben Birdies auf den Par-5-Löchern, ohne ein einziges Fairway zu treffen.
Die Grundlage für diese Leistung wurde in den Wochen vor dem Masters gelegt. Nach kleineren Rückenproblemen verzichtete McIlroy auf Turniere und trainierte intensiv in Augusta. Mehr als ein halbes Dutzend Runden spielte er auf dem Platz – manchmal sogar zwischen Schulweg seiner Tochter und Abendessen.
«Ich war in den letzten Wochen extrem oft hier», sagte er. «Ich habe jede Situation durchgespielt, auch die ungewöhnlichen Lagen. Das hat mir geholfen.»
Am Freitag zahlte sich das aus – besonders auf den Back Nine. Während Patrick Reed zwischenzeitlich zur Spitze aufschloss, zog McIlroy davon. Sechs Birdies auf den Löchern 12, 13, 15, 16, 17 und 18 – ein Lauf, der das Turnier veränderte.
Reed (69) und Sam Burns (71) liegen bei sechs unter Par – sechs Schläge zurück.
Und plötzlich steht nicht nur der Sieg im Raum. Selbst Rekorde rücken ins Blickfeld. Der legendäre Zwölf-Schläge-Triumph von Tiger Woods 1997 wird zumindest theoretisch zum Thema.
Doch McIlroy winkt ab. «Das bin nicht ich», sagt er. «Golf ist ein Spiel zwischen dir, dem Ball und dem Platz. Alles andere spielt keine Rolle.»
Mit dieser Haltung – und diesem Vorsprung – ist McIlroy auf dem besten Weg, Augusta ein weiteres Kapitel seiner Karriere hinzuzufügen.
Photo by Hector Vivas/Getty Images
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