Ungewollte Folgen des Golf-Booms für die Jugend
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Die zwei besten Dinge, die Schottland hervorgebracht hat, sind Golf und die Wirtschaftstheorie. Adam Smith, 1723 im schottischen Kirkcaldy geboren, formulierte in «Der Wohlstand der Nationen» die Mechanismen von Angebot und Nachfrage. Sein berühmter Satz lautete: «Nicht vom Wohlwollen des Metzgers, Brauers oder Bäckers erwarten wir unser Abendessen, sondern von deren Eigeninteresse.»
Golfplatzbetreiber und Tee Times erwähnte Smith zwar nicht explizit – doch natürlich regelt seine «unsichtbare Hand» auch dort die Preise.
Warum ist das 2026 in Amerika plötzlich so relevant? Die Rekordzahlen des Golf-Booms nach COVID sorgen in der Branche weiterhin für Euphorie. Laut der National Golf Foundation spielten im vergangenen Jahr 48,1 Millionen Amerikaner Golf oder schlugen zumindest Bälle auf der Range. 3,3 Millionen Anfänger wagten erstmals den Schritt auf den Platz, die gespielten Runden stiegen insgesamt um 16 Prozent – und die Erfolgsmeldungen reissen nicht ab. Nach zwei schwierigen Jahrzehnten stösst die Golfindustrie wieder auf Wachstum an.
Während explodierende Eintrittsgebühren in Privatclubs und steigende Greenfees in Luxusresorts vielerorts für Diskussionen sorgen, blieb das Herzstück des Golfsports bislang vergleichsweise stabil. Eine durchschnittliche öffentliche 18-Loch-Runde kostet derzeit 41 Dollar – ein Anstieg von 27 Prozent seit 2019 und damit praktisch im Gleichschritt mit der Inflation.
Doch der Boom bringt eine unbeabsichtigte Nebenwirkung mit sich, die sich kaum statistisch erfassen lässt: Wie viele Junioren-Golfer geraten durch die steigende Nachfrage zunehmend unter Druck?
Neulich holte ich einen reparierten Schläger in einem Golfstudio in meiner Heimatstadt ab. Es war perfektes Frühlingswetter. Inzwischen der etwas kitschige Vater, der ich geworden bin, fragte ich die Jugendlichen bei den Simulatoren, weshalb sie nicht draussen echtes Golf spielten. Einer nach dem anderen verwies mit ernster Miene auf die überfüllten Tee Sheets sämtlicher Plätze in der Region.
Bei all den grossartigen Programmen und Initiativen, die Kindern den Einstieg in den Golfsport ermöglichen, vergisst man leicht, dass sich die Psyche vieler Junioren-Golfer kaum verändert hat. Sie fühlen sich schnell eingeschüchtert und wissen genau, dass ihre Spielmöglichkeiten jederzeit weiter eingeschränkt werden können – unabhängig davon, ob das Polo korrekt in der Hose steckt oder nicht.
Wenn Adam Smith die vielen neuen Kurzplätze sehen könnte, die derzeit entstehen, würde er es den Betreibern kaum verübeln, lieber jene Gruppen zu bevorzugen, die neben der Startzeit auch noch mehrere IPA-Biere konsumieren. Der Baseballsport zeigt, dass es auch anders geht – dort übernehmen Hobbyligen für Erwachsene in der Regel nicht die T-Ball-Felder der Kinder.
Eine bestätigende Stimme fand ich im Gespräch mit dem ehemaligen Weltranglistenersten David Duval.
«Wenn ich jemals einen Golfplatz besitzen würde, würde ich das ganze System umdrehen und samstags vor Mittag niemanden über 16 Jahren abschlagen lassen», sagt Duval. «Zu viele Plätze erlauben heute keine Kinder unter acht Jahren mehr. Damit verliert man bereits vier Jahre!»
Eine der erfolgreichsten Organisationen zur Förderung des Junioren-Golfs ist «Youth on Course». Die Initiative sammelt Gelder von privaten Unterstützern und Unternehmen, um Greenfees auf aktuell 2300 Golfplätzen zu subventionieren. Kinder bezahlen dadurch nur fünf Dollar pro Runde. Vor der Pandemie waren rund 70’000 Jugendliche unter 19 Jahren registriert – inzwischen sind es 400’000.
«Die Verdichtung bei den Tee Times ist real, und es wird immer schwieriger, Zugang zu schaffen», sagt CEO Adam Heieck. «Wir möchten ein guter Partner für unsere Golfplätze bleiben. In vielen Gesprächen geht es inzwischen darum, die Subventionen weiter zu erhöhen oder sogar fixe höhere Beiträge anzubieten.»
Da viele Plätze Wochenend-Spielmöglichkeiten gestrichen oder die Anzahl verfügbarer Tage reduziert haben, sucht Heieck zunehmend nach Alternativen abseits des Golfplatzes – etwa Simulatorzeiten bei Golf Galaxy oder Dick’s Sporting Goods.
«Das funktioniert gut», sagt Heieck. «Aber wir alle wissen: In den Golfsport verliebt man sich auf dem Platz.»
Anstatt die wachsende Zahl an Junioren als Belastung für die Tee Sheets zu betrachten, stellt sich die Frage, ob die Branche diese Entwicklung nicht vielmehr als Chance sehen sollte. Welche Art von Bürgern durch YouTube-Golfvideos entsteht, darüber lässt sich streiten. Doch wir wissen, dass Zeit im Freien auf einem Golfplatz – verbunden mit Etikette, Integrität und dem Austausch mit Mentoren – meist positive Auswirkungen hat.
Und wenn es darum geht, neue Generationen langfristig für den Golfsport zu begeistern und damit die Basis künftiger Golfkonsumenten zu schaffen, wissen wir vermutlich auch ziemlich genau, was Adam Smith dazu sagen würde.
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