Was Amateure von den Profis bei der PGA Championship 2026 lernen können
News teilen
Aaron Rai gewann die PGA Championship 2026 auf dem anspruchsvollen Aronimink Golf Club nicht mit spektakulären Wunderschlägen, sondern mit kontrolliertem, präzisem und nahezu fehlerfreiem Golf.
Genau darin lag die grosse Erkenntnis der Woche: Nicht das Aussergewöhnliche entschied das Major, sondern die Fähigkeit, das Einfache konstant hervorragend umzusetzen. Für Amateur-Golferinnen und -Golfer bot das Turnier deshalb zahlreiche spannende Lektionen.
Gerade sehen lernen
Justin Rose arbeitete auf dem Putting-Green nicht an der Technik, sondern an seiner Wahrnehmung. Gemeinsam mit Coach Phil Kenyon trainierte er, Linien korrekt zu erkennen und die Augen sauber entlang der Ziellinie zu führen. Ein Detail, das enorm wichtig ist: Wer falsch zielt, kompensiert automatisch im Schwung oder beim Putt.
Auch Amateure können davon profitieren – etwa mit einfachen Alignment-Sticks auf der Range oder beim Putting-Training.
Die «schwedische Golf-Falle»
Ludvig Åberg erklärte, dass viele schwedische Spieler im Winter technisch nahezu perfekte Schwünge entwickeln, im Sommer aber Mühe haben zu scoren. Simulator-Training verbessert Technik und Startlinien, ersetzt aber kein echtes Golf auf dem Platz.
Deshalb gilt während der Saison:
mehr spielen, weniger analysieren, kleine Anpassungen statt grosser Umbauten – und vor allem Routinen trainieren.
Bewegungen managen statt alles reparieren
Top-Coach Justin Parsons erklärte, dass selbst Major-Sieger wie Rory McIlroy oder Brian Harman Bewegungsmuster besitzen, die klassische Golf-Lehrbücher eigentlich vermeiden würden.
Die Erkenntnis: Nicht jede Eigenheit muss eliminiert werden. Entscheidend ist vielmehr, Extreme zu vermeiden und die eigene Bewegung konstant kontrollieren zu können.
Golfschuhe beeinflussen den Schwung
Rory McIlroy wechselte während der PGA Championship auf weichere Schuhe, nachdem er Probleme mit Blasen bekommen hatte. PGA-Professional Joe Plecker erklärte, dass Schuhe direkten Einfluss auf Balance, Hüftrotation und Bodenkontakt haben können.
Zu viel Dämpfung unter der Ferse kann die Bewegung sogar einschränken.
Moderne Profis sind Hochleistungsathleten
Brooks Koepka stemmt über 165 Kilogramm beim Bankdrücken, Jon Rahm hebt mehr als 225 Kilogramm beim Trap-Bar-Deadlift. Krafttraining gehört längst zum modernen Profi-Golf.
Die Länge allein kommt zwar nicht nur aus dem Fitnessraum – doch die körperliche Athletik auf der Tour hat ein neues Niveau erreicht.
Aaron Rais ungewöhnliche Driver-Position
Rai spielt den Driver fast aus der Mitte des Standes – ungewöhnlich für moderne Profis. Dadurch rotiert er stärker durch den Ball und produziert flachere Ballflüge mit mehr Spin, was seine enorme Präzision unterstützt.
Für die meisten Amateure ist das kaum kopierbar, zeigt aber, wie individuell erfolgreiche Schwünge sein können.
Hände näher am Körper halten
Eine alte Empfehlung von Jack Nicklaus war während der gesamten Woche sichtbar: Die Hände im Schwung näher am Körper führen.
Jon Rahm trainiert dies mit einem Tuch unter dem rechten Arm, Hideki Matsuyama arbeitete an einem ähnlichen Gefühl im Durchschwung. Der Vorteil: stabilere Bewegungen und weniger extreme Fehler im Treffmoment.
Wichtige Körperpositionen im Finish
Coach Andreas Kali achtet bei seinen Spielern auf eine klare Reihenfolge im Release:
Hüfte vor Brust, Brust vor Kopf.
Diese Struktur sorgt für bessere Rotation und stabileren Ballkontakt – ein einfaches, aber wirkungsvolles Kontrollbild für viele Amateur-Golfer.
Auch auf Par-3-Löchern geht es um Strategie
Scottie Schefflers Caddie Ted Scott erklärte, dass Par-3-Löcher grundsätzlich dieselbe Denkweise wie normale Annäherungsschläge verlangen. Entscheidend sei jedoch das Design jedes einzelnen Lochs.
Die Strategie besteht also weniger im Schlag selbst als darin, die Gefahren und sicheren Zonen korrekt zu erkennen.
Die PGA Championship 2026 zeigte eindrücklich, dass modernes Spitzengolf nicht zwingend spektakulär sein muss. Aaron Rai gewann mit Disziplin, Präzision und Geduld – Eigenschaften, die auch für Amateure oft deutlich wertvoller sind als der perfekte Traumschlag.
Photo by Richard Heathcote/Getty Images
Im Fokus
golf.news.async-loader.error-message