Bryson DeChambeau und sein neuer KI-Coach
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Bryson DeChambeau war im Golfsport schon immer ein Sonderfall. Der Amerikaner sprühte Wasser auf Golfbälle, um Morgentau zu simulieren, experimentierte mit Side-Saddle-Putting, spielte Einheitslängen-Schläger, nahm über 20 Kilogramm Muskelmasse zu und bezeichnete Augusta National einst provokativ als «Par 67». Nun sorgt der zweimalige Major-Sieger mit dem nächsten ungewöhnlichen Kapitel seiner Karriere für Schlagzeilen: künstliche Intelligenz als Swing-Coach.
Nach LIV Golf Korea verriet DeChambeau, dass er in der Nacht vor der Finalrunde intensiv mit Google Gemini gearbeitet habe, um Probleme in seinem Swing zu lösen.
«Ich habe lange auf der Range versucht herauszufinden, was los ist, und dabei ziemlich viel mit KI gesprochen», erklärte der 32-Jährige. «Wir haben verschiedene physikalische Prinzipien analysiert, die beeinflussen, wie sich der Schläger schliesst.»
Im Zentrum standen dabei Begriffe wie «Alpha Torque» und «Gamma Torque» – genau die Art biomechanischer Details, für die DeChambeau seit Jahren bekannt ist.
Das Resultat konnte sich sehen lassen: Nach einer frustrierenden 71er-Runde am Samstag spielte der Amerikaner am Sonntag eine starke 65 und verpasste das Playoff nur um einen Schlag.
«Ich hatte plötzlich freiere Hände und ein viel besseres Gefühl für den Schläger», sagte DeChambeau. «Dadurch konnte ich die Schlagfläche effizienter schliessen.»
Besonders kurios wurde die Geschichte durch ein anschliessendes Interviewformat, in dem Gemini selbst humorvoll auf Fragen antwortete – fast so, als wäre die KI tatsächlich Teil von DeChambeaus Coaching-Team geworden.
Die KI erklärte dabei, dass DeChambeau den Golfschwung weniger als Gefühl, sondern vielmehr als mathematisches und physikalisches Problem betrachte. Laut Gemini sei nicht ein grosser technischer Fehler die Ursache gewesen, sondern schlicht zu viel Griffdruck und Spannung in den Händen, wodurch die natürliche Rotation des Schlägers blockiert worden sei.
«Bryson behandelt den Swing wie ein Physikprojekt», erklärte die KI sinngemäss. «Er wollte keine klassische Schwunglektion, sondern einen interaktiven Austausch über Mechanik und Daten.»
Gleichzeitig machte Gemini deutlich, dass traditionelle Coaches weiterhin unersetzlich bleiben. Auf die Frage, wer der bessere Coach sei – KI oder Startrainer Butch Harmon – antwortete Gemini trocken: «Butch Harmon. Darüber gibt es keine Diskussion.»
Die künstliche Intelligenz sehe sich eher als «Bibliothek», während der menschliche Coach weiterhin das «Gehirn» bleibe.
Tatsächlich steckt hinter der Geschichte weit mehr als nur eine spontane Nachtaktion. DeChambeau und sein LIV-Team Crushers GC arbeiten bereits offiziell mit Google Cloud und Sportsbox AI zusammen. Ziel ist die Entwicklung KI-gestützter Systeme zur biomechanischen Analyse von Golfschwüngen.
Langfristig soll daraus sogar eine Smartphone-App entstehen, mit der Golferinnen und Golfer ihren Schwung filmen und innerhalb weniger Sekunden detailliertes Feedback erhalten können.
Die Episode zeigt einmal mehr, wie stark Technologie inzwischen auch im Spitzengolf angekommen ist. Launch-Monitore, Datenanalyse und Biomechanik gehören längst zum Alltag der Profis. Doch DeChambeau treibt diese Entwicklung wie kaum ein anderer Spieler an die Grenze zwischen Wissenschaft und Sportphilosophie.
Oder wie Gemini selbst formulierte: «Für 95 Prozent der Golfwelt ist Golf Kunst. Aber dann gibt es Bryson.»
Photo by Getty Images
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