Mit Runden von 64 und 69 Schlägen hat sich Wyndham Clark bei der US Open in Shinnecock Hills früh in eine komfortable Position gebracht. Vier Schläge Vorsprung zur Halbzeit sprechen eine klare Sprache. Doch während seine Leistung kaum Kritik zulässt, bleibt die Wahrnehmung des Amerikaners innerhalb der Golfwelt bemerkenswert zwiespältig.
News ➝ US Open  ·  2026-06-20 05:57:50  ·  Tom Page

US Open: Wyndham Clark führt – und spaltet die Golfwelt

Mit Runden von 64 und 69 Schlägen hat sich Wyndham Clark bei der US Open in Shinnecock Hills früh in eine komfortable Position gebracht. Vier Schläge Vorsprung zur Halbzeit sprechen eine klare Sprache. Doch während seine Leistung kaum Kritik zulässt, wird der Amerikaner in der Golfwelt bemerkenswert zwiespältig wahrgenommen.

Clark gehört zu jenen Spielern, die starke Reaktionen hervorrufen. Nicht unbedingt wegen ihres Spiels, sondern wegen ihrer Art. In den vergangenen Jahren sorgte der US-Open-Champion von 2023 mehrfach für Schlagzeilen abseits des Fairways.

Bei der PGA Championship in Quail Hollow beschädigte er nach einem Wutanfall seinen Driver und erhielt dafür eine offizielle Verwarnung. Wenige Wochen später zerstörte er während der US Open aus Frust ein Schliessfach. Die Folge war eine Sperre für den späteren Austragungsort Oakmont.

Zwischen Kontroversen und Missverständnissen

Auch in Regelfragen tauchte Clarks Name immer wieder auf. Beim Arnold Palmer Invitational stand er gleich zweimal im Mittelpunkt von Diskussionen. Einmal wegen Bewegungen im Gras hinter seinem Ball, ein anderes Mal nach einem straflosen Drop auf dem Fairway. In beiden Fällen wurde er regeltechnisch entlastet, doch die öffentliche Debatte war längst entfacht.

Dazu kommen Aussagen, die regelmässig für Diskussionen sorgen. Sei es ein misslungener Scherz beim Par-3-Contest des Masters, Kritik an Platzbedingungen oder Kommentare über LIV-Golfer wie Brooks Koepka. Clark scheint eine besondere Fähigkeit zu besitzen, immer wieder unfreiwillig ins Zentrum der Aufmerksamkeit zu geraten.

Auch auf dem Platz scheut er die Provokation nicht. Beim RBC Canadian Open erschien er auf dem berühmten «Rink Hole» im Trikot der US-Eishockeynationalmannschaft. Beim Presidents Cup 2024 imitierte er die Jubelgeste von Si Woo Kim unmittelbar nach dessen Auftritt – eine Aktion, die nicht überall gut ankam.

Golf braucht auch Gegenspieler

In einer Zeit, in der viele der polarisierenden Figuren des Sports zur LIV Golf League gewechselt sind, hat sich auf der PGA Tour eine bemerkenswerte Homogenität entwickelt. Die meisten Stars sind beliebt, professionell und medial kontrolliert. Spieler, die bewusst oder unbewusst anecken, sind selten geworden.

Genau deshalb nimmt Clark inzwischen eine besondere Rolle ein. Er ist weder klassischer Publikumsliebling noch echter Bösewicht. Vielmehr verkörpert er jene Grauzone, die Sport oft erst interessant macht.

Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass Clark auch eine andere Seite besitzt. Er hat offen über die psychischen Belastungen seiner Karriere gesprochen und mehrfach den frühen Tod seiner Mutter thematisiert. Themen, die dem Amerikaner zusätzliche Tiefe verleihen und zeigen, dass die Realität meist komplexer ist als ein einzelner Schlagzeilenmoment.

Der perfekte Antiheld?

Die US Open in Shinnecock Hills könnten nun das nächste Kapitel dieser Geschichte schreiben. Clark führt das Feld souverän an und wirkt bislang völlig unbeeindruckt von der Aufmerksamkeit, die ihn begleitet.

Ob man ihn mag oder nicht: Der 32-Jährige sorgt für Diskussionen. Und genau das macht ihn derzeit zu einer der faszinierendsten Figuren im Profigolf. Sollte er am Sonntag erneut die Trophäe in die Höhe stemmen, bekäme die Golfwelt genau das, was sie oft vermisst: einen Champion, über den nicht alle derselben Meinung sind.

Photo by Andrew Redington/Getty Images